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Bericht aus der Zeitschrift "Schleuder"
Veröffentlicht am 27.12.1994 von Darkangel | Aufrufe: 169
Diesen Artikel aus einem inzwischen leider eingestelltem Heft namens Schleuder" anno 1994 können und wollen wir der Welt nicht vorenthalten. Wir sind Dr. Birger noch heute für seine klarsichtige Analyse und den frühen Blick in den nackten Spiegel der erschütternden Wahrheit über uns dankbar.

Ihr Dr. Birger berät:

In der heutigen Kolumne widme ich mich einer Angelegenheit, derer eher Suizidberater oder diverse esoterische Heilpraktiker zuständig wären. Doch die Geschichte des analysierbaren Wahnsinns (ca. seit 1340 erstes Irrendorf Gheel in Holland) zeigt, daß selbst unscheinbare oder sich fade wiederholende Phänomene immer noch gut Stück Futter dem Psychologen reichen. Gerade bei einer Gruppe Geistesgestörter trägt das dynamische Faktum des Kollektiven zu wechselnden Gesichtern des Furors bei. Der erste Blick auf SVBWAY TO SALLY deutet klar auf protopathische Hypochondrie, ergo sich selbst eingebildete Kranke ohne erkennbare Ursache gestört. Doch lüften wir den Mantel des Peinlichen. Was sich da nach gewissenhafter Arbeit ans Licht begab, sollte mich zutiefst verblüffen und auch unter Kollegen für Gesprächsstoff sorgen. Was für ein seltener patient neurotics in bizarrster Ausprägung, aber noch Geduld. Zuerst fand ich gewöhnliche Symptome wie Demenz, Größenwahn, schizoide Katatonie und das Stirnlappensyndrom beim Sänger (bei Prozessen im Stirnhirn auftretende Persönlichkeitsveränderungen mit Distanzverlust, Witzelsucht und Aurawahn). Tabes dorsalis sagte ich mir, Rückenmarkschwindsucht im Spätstadium, nicht weiter aufregend, wozu der Aufwand? Doch dann - nomen est omen - enthüllte sich mir die ganze Härte der Tatsachen. Ich begab mich in das Irrenhaus ihrer Namensgebung und fand mich in irritierender Gesellschaft Dreiviertelverrückter, Schlechtweggekommener und dem ganz großen Wurf von Mischgeschwulsten im Talamus wieder. Zusammengefaßt ergibt sich folgendes: SVBWAY (= unterirdischer Weg, Einfahrt) TO (Richtung) SALLY (Frau, {su} mit schwarzem Dreieck, Muttersau {altgerm.}, Feuchtschoß {kelt.}). Das kryptisch Unbewußte war uns schon immer ein treuer Verräter der krassesten Abnormita. Wir haben es hier zweifelsohne mit einem Spezialkasus des Ödipus zu tun, unter der pikanten Beigabe des Kannibalismus von innen, also die Mutter zerstörerisch kopfbegattend. Dies ist ein alter Archetypus, immer wiederkehrend unter besonders einfallslosen Perversen. Auch nicht zu übersehen die Namen einiger Mitglieder: Eric Fish (Fisch = Jesussymbol = klassischer Aurawahn), Ingo Hampf (Ham, {hebr.} = Söhne Noas = dito), Simon (Erstlingsname von Simon Petrus = dito). Die Vermutung einer Sekte drängt sich nahezu von selbst auf. Selbsternannte Bibelbienen oder wahrscheinlich treue Zeugen Jehovas. Die Geschichte zeigt, missionierte Kranke sind zumeist die einfältigsten. Hören wir dazu einen Moment in die Musik: Ein zusammengekehrter Hof gefühlsduseliger Weinerlichkeit reicht sich mit steifverklemmtem quäkenden Poserrock die Klinken in die Hände. Ohne Zweifel: Iren für Arme, Irre durch Amen! Und erst die Texte! O-Ton: Doch stehe ich hier nicht alleine, die Armee der Verlierer ist groß, wir stehn wie das Vieh auf der Weide und warten auf das große Los." So und dergleichen aspiriert es da (um nicht transpiriert sagen zu müssen) zu backfischartigem Überschwang, Selbstbemitleidungen und krudem Plagiat. Hier muß man sich die Handschuhe anziehen, um sich nicht noch zu beschmutzen an all der moraltriefenden muckerhaften Entrüstung. Im frühen Mittelalter gab es dereinst Narrenschiffe, die dergleichen Idiot savant gen Gheel verschifft haben. Unter diesem Aspekt sollte man heute die Diskussion um die Verbreiterung der Havel betrachten. Um wieviel freier würde diese Stadt atmen, wenn wieder große Schiffe ankern könnten. Wenn beten lohnen täte - aber das müßten SUTOSA am besten wissen. Übrigens habe ich den Bandnamen nicht nur neu gelesen, sondern auch neu verstanden: SOS, rettet uns; vor ihnen. Ein Schiff wird kommen und in diesem Sinne

Petri Dank

Ihr Dr. Birger

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