Interview mit Ingo Hampf Subway To Sally [02/2001] Mit ihrem
neuen, doch wesentlich moderner als die Vorgänger klingendem Album
"Herzblut" (VÖ: 02.04.2001) melden sich die Mittelalter-Metaller von SUBWAY
TO SALLY nach zwei Jahren Plattenabstinenz (ihr letzter Silberling
"Hochzeit" erschien 1999) zurück. Was Gitarrist und Songwriter Ingo Hampf
vom Tourleben, Internet und natürlich der neuen Platte hält, konnte ich
während eines ausgiebigen Phoners letzte Woche in Erfahrung bringen. Alles
im unverwechselbaren berliner Dialekt, versteht sich :-).
Kathy: Schon anhand des Titels eures neuesten Albums kann man ausmachen,
dass ihr jede Menge Herzblut in das Werk gesteckt habt. Liege ich da
richtig?
Ingo: Nun, da hätte man eigentlich jedes Album von uns
so nennen können, weißt du. Sicher haben wir das gemacht, das macht man ja
auch, wenn man eine Platte aufnimmt.
Kathy: Aber es gibt ja immer einen bestimmten Hintergrundgedanken, wenn
man sein Album benennt.
Ingo: Das ist die eine Sache, dass man eben viel von
seinen eigenen Herzblut ins Album gelegt hat, aber diesen Titel haben wir
vor Allem auch deshalb gewählt, weil er sehr gut die textlichen Inhalte und
die musikalische Umsetzung der Platte wiederspiegelt. Es ist einer, der
diese ganze Emotionalität und Leidenschaft, wenn man Attribute finden will,
überschreibt. Das drückte dieses Wort "Herzblut" einfach am besten aus.
Kathy: Was meinst du denn worin die größten Unterschiede bzw. vielleicht
sogar Fortschritte zwischen "Herzblut" und dem Vorgänger "Hochzeit" liegen?
Ingo: Da gibt's mehrere Unterschiede. Also, "Hochzeit"
war ein recht sagen wir mal straightes, hartes, rockiges Album. Wenn man
praktisch die CD eingelegt und den ersten Titel gehört hatte, wusste man
auch, wie das Album aufhört. Es war ziemlich eindimensional, auch im
positiven Sinne, ich find es immer noch sehr gut von dieser Art. Und
"Herzblut" ist natürlich in der Sicht sehr vielschichtiger. Da sind zwar
diese harten Sachen auch noch drin, aber grade, wenn man sich darauf
einlässt, gibt es viel mehr Berg- und Talfahrten, emotionenauslösende
Momente: Streichersätze und Aufgeschlossenheit gegenüber bestimmten Sounds,
also Elektronik und sowas.
Kathy: Teilweise klingt es ja echt sehr modern. Bei "Kleid Aus Rosen"
beispielsweise verwendet ihr richtige Dancebeats, das war man vorher ja auch
nicht grade von euch gewohnt.
Ingo: Nun, das war auch so eine Sache. Man hat sich
halt früher so bestimmte Sachen nicht getraut, weißt du, da dachte man,
sowas dürfte man bzw. dürften wir nicht machen, weil man von uns was anderes
erwartet. Da haben wir natürlich irgendwann gesagt: Scheiss drauf, wir
dürfen alles was uns gefällt. Manchmal denkt man, man ist eingezwängt in
irgendsoeinem konzeptionellen Käfig, wo links und rechts die Grenzen schon
abgesteckt sind. Diesmal haben wir uns eben gesagt: Nee, wenn es dem Song
dienlich ist und ihn nach vorne bringt, warum nicht Loops oder Samples oder
was weiß der Kuckuck verwenden. Und grade bei dem Titel "Kleid Aus Rosen"
finde ich es gut, dass man hört, dass diese Thematik um die es da geht, um
dieses weggelaufene junge Mädchen, nicht im 16. Jahrhundert geschieht
sondern heute in der Gegenwart. Das spiegelt sich in diesen Dancegrooves
oder dieser Dance-Bass, die da durchläuft, wieder.
Kathy: Wann hattet ihr überhaupt Zeit die Platte zu komponieren und
aufzunehmen? Irgendwie ward ihr ja ständig auf Tour.
Ingo: Also für unsere Verhältnisse waren wir im
letzten Jahr wenig auf Tour.
Kathy: Gut, aber verglichen mit anderen Bands ist das ja recht extrem bei
euch.
Ingo: Weißt du, im Jahr 2000 hatten wir so um die 50
Gigs, das ist für uns eher wenig. Zum Anfang des Jahres sind wir mit
Songwriting usw. so ein bisschen in die Puschen gekommen und haben eine
zweimonatige Auszeit genommen. Im Herbst haben wir dann, abgesehen natürlich
von der Herbsttour, die dazwischen lag, recht viel Zeit fürs Studio gehabt -
viel mehr Zeit als sonst. Wir wollten sogar noch früher fertig sein, dass
die Platte also schon letzten Herbst hätte veröffentlicht werden können,
aber das war nicht zu schaffen.
Kathy: Wie verkraftet ihr eigentlich die ständige Tourerei? Auf Dauer
muss das doch eine ziemliche physische und psychische Belastung sein.
Ingo: Wenn man ein bisschen vernünftig mit sich selber
umgeht, nicht jeden Abend Halligalli macht und sich abschießt mit Suff oder
anderen Sachen, dann kann man das sehr gut verkraften. Ich versuche immer
noch, tagsüber auch in die Stadt zu gehen oder mal in die Schwimmhalle.
Kathy: Sportliche Betätigung, damit du nicht einrostest?
Ingo: Ja, auch um einen Ausgleich zu haben, dass man
eben nicht immer nur verkatert aus dem Bus purzelt, dann auf die Bühne geht
und danach wieder feiert, weißt du - Teufelskreis. Wenn man ein bisschen
länger und öfters unterwegs ist, kriegt man sehr schnell mit, dass man auch
mal etwas kürzer treten sollte.
Kathy: Ihr habt ja immer noch die gleiche Besetzung wie vor sieben
Jahren, wenn ich mich nicht irre. Das zeugt ja auch davon, dass eine recht
gute bandinterne Atmosphäre zwischen euch herrschen muss.
Ingo: Wir hatten einmal einen Wechsel was den
Schlagzeuger betrifft. Das war vor...(überlegt) vier Jahren? Was den
Zusammenhalt angeht: Wenn ein paar Leute was zusammen machen, bleiben
Reibereien zwar nie aus, aber im Großen und Ganzen sind sich alle im Klaren,
was sie wollen und was sie an der Band haben. Vor allem lernt man sich auch
gut kennen über die Jahre und man weiß ungefähr, wie der andere tickt oder
was die Macken von jedem Einzelnen sind.
Kathy: Schon fast wie eine Familie, was?
Ingo: Ja, doch, kann man fast sagen. Teilweise ist man
öfters mit den Leuten von der Band zusammen als mit der Familie (lacht).
Kathy: Man hört oft, dass ihr live wesentlich besser rüberkommt als auf
Platte. Wie siehst du das?
Ingo: Das sind zwei Paar Schuhe. Es gibt wohl kaum
eine Band, die auf Platte genauso rüberkommt wie live, selbst auf
Live-Alben. Das sind wirklich zwei völlig getrennte Welten, die man auch
getrennt betrachten muss. Ein Live-Erlebnis, bei dem jemand hingeht, sich
erstmal seinen Liter Bier kauft und den Mädchen auf den Arsch kuckt, mit dem
Licht und dem Feuerspucken auf der Bühne, das ist was völlig anderes als
wenn jemand daheim auf der Couch sitzt und sich eine CD reinschiebt. Das
kann man gar nicht miteinander vergleichen. Man kann natürlich sagen: Mir
gefällt diese Band live besser und jene Band mag ich mehr auf CD - sowas
gibt's immer. Aber man muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass man
CDs und Live-Auftritte schlecht miteinander vergleichen kann. Wenn man live
auf der Bühne steht oder eine Platte macht, kommt es jeweils auch immer auf
ganz andere Sachen drauf an.
Kathy: Aber ich denke mal, ihr seid lieber live auf der Bühne als im
Studio, oder?
Ingo: Also, live spielen ist natürlich eine sehr
wichtige Sache für uns.
Kathy: Auch wegen der Nähe zu den Fans?
Ingo: Genau. Das ist es auch, weshalb man eigentlich
Musik macht. Da vor Leuten zu stehen und Reaktionen auszulösen, das ist
schon einen sehr wichtige Sache. Aber es hat natürlich beides seinen Reiz
und seine guten Seiten und seine Herausforderungen. Das gehört einfach dazu,
das Eine ist wie das Andere. Ich finde das immer komisch, wenn Bands gar
nicht gerne vor Publikum spielen. Das ist ja meistens in anderen
musikalischen Genres der Fall, bei diesen Dance-Projekten, die da was
zusammenrühren, es sich aber nicht vorstellen können, live auf der Bühne zu
stehen.
Kathy: Da merkt man dann auch, dass alles nur gestellt ist und im
Hintergrund nur einer steht, der die Fäden zieht.
Ingo: Ja. Was dazukommt ist natürlich, dass dieses
Live-Spielen die einzige Möglichkeit ist, überhaupt an die Leute
ranzukommen. Die Medien verschließen sich da doch eher, Radio und Fernsehen
speziell.
Kathy: Gibt es denn bestimmte Künstler, mit denen ihr gerne mal zusammen
touren würdet?
Ingo: Gar nicht eigentlich.
Kathy: Wirklich keine bestimmten Wünsche momentan?
Ingo: Ehrlich gesagt gibt's grad keinen von dem man
sagen könnte: Der ist jetzt so toll, mit dem würden wir gerne mal touren.
Aber sagen wir mal fürs Ausland, wenn man da an Support denkt und solche
Geschichten, wäre es schon toll, wenn man mal mit MARILYN MANSON eine Tour
machen könnte.
Kathy: MARILYN MANSON und SUBWAY TO SALLY? (lacht) Das ist ja eine nette
Mischung.
Ingo: (lacht) Ja, aber so weit hergeholt ist das
eigentlich gar nicht, also von den Inhalten. Wenn's musikalisch passt... .
Außerdem, mit wem sollen wir denn sonst touren?
Kathy: Ähmmm....IN EXTREMO vielleicht? (was eigentlich eine ziemlich
blöde Antwort war, das fiel mir aber erst hinterher auf, Anm. d. Verf.)
Ingo: Na gut, kann man machen, klar. Wir haben ja auch
schon Festivals mit denen gespielt. Aber eine ganze Tour...ich weiß nicht.
Kathy: Jetzt sind wir aber ganz schön abgeschweift - zurück zu
"Herzblut": Der erste Song "Die Schlacht" hat es mir persönlich am meisten
angetan. Gibt es ein Stück auf der Platte, von dem ihr denkt, er ist euch
besonders gut gelungen?
Ingo: Jeder hat so ein bisschen seine eigenen
Favoriten, aber was sich so herauskristallisiert nach den ersten zwei
Monaten, wenn wir reinhören und uns über das Album unterhalten, kommen wir
bei "Kleid Aus Rosen" auf einen allgemeinen Konsens in der Band.
Kathy: Gibt es dafür einen bestimmten Grund? Oder hat der Song einen
besonderen Hintergrund?
Ingo: Ob der Song einen Hintergrund hat? Natürlich,
wenn auch nicht einen persönlichen (lacht). Also bei dem Lied finde ich,
dass da auch textlich mal was gelungen ist, es spiegelt auch grade so den
Zeitgeist wieder. Es geht da ja vordergründig um diese Tätowiererei, aber in
einer Sprache, die wir sonst auch immer benutzen, um diesen Zeitgeist
abzubilden und so mit dieser Thematik umzugehen - obwohl natürlich noch viel
mehr in dem Lied mitschwingt. Es geht ja nicht bloß ums Tätowieren, sondern
um diese Entjungferung der Haut, das Verlieren der Unschuld und das
Erwachsenwerden oder wie auch immer. Abnabeln von der Kindheit und diese
Geschichten. Vom Text her ist das eine ganz gute Story und musikalisch finde
ich es auch gelungen.
Kathy: Wenn wir schon grade bei Texten sind: Bei "Krötenliebe" musste ich
vor Allem beim Refrain doch ziemlich schmunzeln. Wie kommt man denn auf so
ein Thema (es geht um ein Liebespaar, welches sich in einem
Naturschutzgebiet vergnügt, worauf die vielen kleinen dort lebenden Kröten
flugs um ihr Leben hüpfen müssen, Anm. d. Verf.)?
Ingo: Weiß ich auch nicht (lacht). Aber es geht ja
auch um mehr als nur Sex im Freien. Ist ja auch ein bisschen schelmisch
gemeint. Soll ja nicht alles immer so bierernst sein. Es ist eine ganz
einfache Story aus der Sicht der Kröten, die eben um ihr Leben hüpfen
müssen, um nicht erdrückt zu werden (lacht).
Kathy: So ziemlich zum Anfang haben wir ja schon über die Verwendung von
Dancebeats gesprochen. Um nochmal darauf zurückzukommen: Nehmt ihr euch
jetzt vielleicht ein Beispiel an Bands wie TANZWUT?
Ingo: Bei denen ist das ja Konzept.
Kathy: Ist das bei euch also quasi nur ein kleiner Ausflug?
Ingo: Fast. Es sind ja noch ein paar andere Sachen auf
der Platte, wo Elektronik verwendet wird, selbst bei "Herrin Des Feuers".
Wenn man genauer hinhört, läuft im Hintergrund auch sehr viel Elektronisches
ab. Aber wir werden mit Sicherheit keine Dance-Band. Hier hat's halt gut
gepasst, fand ich, wie die Faust aufs Auge.
Kathy: Habt ihr da nicht ein bisschen Bedenken, dass Fans euch vorwerfen
könnten, ihr würdet jetzt zu modern und zu kommerziell klingen?
Ingo: Nun, ich glaube, über Kommerzialität sind wir ja
erhaben (lacht). Wie meinst du das denn jetzt?
Kathy: Ein Kollege hat sich ein paar der Songs angehört und war ziemlich
entsetzt darüber, wie modern ihr euch verglichen mit früher anhört. Er war
da gar nicht begeistert.
Ingo: Wieso, was ist denn an modern schlecht? Also ich
hab ja nichts gegen moderne Musik, sofern sie gut ist. Was heißt modern
klingen... . Das mit dem Kommerziellen: Weißt du, wenn ich wüsste, wie das
geht, kommerziell zu sein, würde ich es machen.
Kathy: Allein wegen Geld und Berühmtheit?
Ingo: Machen wir uns doch nichts vor, jeder, der
irgendwie Musik macht, möchte doch möglichst viele Leute erreichen,
Millionen scheffeln und sonstwas. Aber das Rezept des Kommerziellen, also
welche Zutaten dazugehören, das hat keiner. Selbst bei diesen ganzen
Dance-Projekten oder dieser Big Brother Scheiße, da funktioniert's auch
nicht immer. Dieser Sladdi da und noch einer oder zwei haben einen Hit
gehabt, aber alle anderen Kandidaten, die es probiert haben, selbst die, die
gewonnen haben, da lief es nicht. Selbst wenn man denkt, man wüsste 100%ig
wie's funktioniert, kann es daneben gehen. Wie gesagt, dieses Rezept gibt es
einfach nicht. Man kann wirklich nur eins machen, man kann vor sich selbst
bestehen und das machen wovon man glaubt, das es gut ist. Wir lassen uns da
auch nichts vorschreiben, die anderen haben ja auch alle keine Ahnung - die
tappen völlig im Dunkeln.
Kathy: Heutzutage gibt es neben euch noch eine ganze Reihe anderer Bands,
die mittelalterliche Melodien und Instrumente wie Dudelsack, Schalmei usw.
benutzen, ich denke da vor Allem an IN EXTREMO, MERLONS, LETZTE INSTANZ und
TANZWUT bzw. CORVUS CORAX. Woher kommt dieser Mittelalter-Trend, was meinst
du?
Ingo: Ob das jetzt wirklich ein Trend ist weiß ich
nicht. Ja, woher kommt das...(überlegt). Also, ich kann jetzt nicht für die
anderen Bands sprechen, ich weiß ja nicht, wie deren konzeptionellen
Überlegungen da sind. Bei uns speziell..., also, im Prinzip läuft es ja so,
dass Amerika vorschreibt, was hip ist. Was dort funktioniert, das wird wenig
später auch bei uns laufen. Aber eigentlich ist es doch immer so eine
merkwürdige Nachahmung. Sagen wir mal die GUANO APES, die könnten auch eine
amerikanische Band sein, und ich weiß nicht, wo da die kulturelle Identität
sein soll, weißt du. Und darum geht es eigentlich, es geht ja auch um
Selbstverwirklichung bei solchen Geschichten. Soll ich immer so tun, als
wäre ich in New York aufgewachsen? Das bin ich aber nicht! Ich bin in
Salzwedel in der Altmark aufgewachsen, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht
sagen (lacht). Da sollte man auch versuchen, so zu klingen.
Kathy: Die Musik also quasi als Wiederspieglung des eigenen Wesens oder
des eigenen Ursprungs?
Ingo: Ja, natürlich. Nur darum geht's doch eigentlich
bloß. Alles andere, was soll denn das. Nur weil's plötzlich toll ist, sich
einen Plattenspieler mit auf die Bühne zu stellen, machen wir das doch auch
nicht. New Metal halt. Also, ich hab nichts gegen LIMP BIZKIT und Konsorten,
im Gegenteil, mitunter find ich was die machen sogar recht gut, aber warum
muss eine Rockband einen Plattenspieler auf der Bühne haben (lacht)? Um auf
die Frage zurückzukommen: Das ist eigentlich die Überlegung, die bei uns
dahinter steckt, dass man eben einfach nach seinen musikalischen und vor
Allem kulturellen Wurzeln sucht und daraus neue populäre Rock- oder Popmusik
oder was auch immer strickt, wo man aber nicht versucht, mit Gewalt komisch
zu klingen oder akademisch oder verstaubt. Jeder normale Mensch sollte es
sich heutzutage anhören können, ohne gleich einen Kulturschock zu kriegen.
Kathy: Glaubt ihr denn, dass ihr mit eurer Musik, trotz der deutschen
Texte und den daraus resultierenden Sprachbarrieren, auch im Ausland Erfolg
haben könntet?
Ingo: Nun, das werden wir bald rauskriegen, weil wir
im Mai in Mexiko ein paar Gigs machen. Die kennen uns da kurioserweise
schon, über Kontakte. Eine mexikanische Promoterin hat dort in Mexico City
eine Radiosendung, und die hat schon mal unser letztes Album gespielt. Tja,
und die freuen sich alle schon.
Kathy: Mal was ganz anderes: Ihr habt seinerzeit für das Computerspiel "Dark
Projekt 2" tatkräftig den Soundtrack unterstützt. Das kann ja auch nicht
jede Band von sich behaupten, dass sie auf einem Computerspiel vertreten
ist. Warum habt ihr da eigentlich mitgemacht, war das mehr zu Promozwecken
oder aus Spaß an der Freude? Oder seid ihr gar so kleine
Computerspiel-Zocker?
Ingo: Ein Anreiz war, so etwas überhaupt mal zu
machen, also etwas Visuelles zu vertonen. Neue Herausforderung. Natürlich
aber auch, um andere Leute zu erreichen. Man muss ja praktisch jeden
Strohhalm im großen Meer, in dem man schwimmt, ergreifen (lacht).
Kathy: Das ist ja schon fast so, als ob man den Soundtrack zu einem Film
schreibt. Könntet ihr euch vorstellen, mal für einen richtig großen Film die
Musik beizusteuern?
Ingo: Das könnte ich mir sehr gut vorstellen, ja.
Kathy: Wo wir schon mal bei Computern waren: Ihr habt wie viele andere
Bands auch eine eigene Internetseite. Was für eine Bedeutung misst du denn
dem Internet bei?
Ingo: Also, es ist eine informative Sache, wenn man
beispielsweise neue Tourdaten haben will, interne Infos oder auch mal eine
eigene Meinung loswerden möchte.
Kathy: Glaubst du, dass es manchen Bands auch als Sprungbrett zur
Karriere dienen könnte, indem sie sich per Internet präsentieren?
Ingo: Wenn man natürlich ganz unten im Keller
rumdümpelt, keine Auftrittsmöglichkeiten kriegt usw., kann das eine
Möglichkeit sein. Aber bei uns ist das ja nicht der Fall. Außerdem war
Anfang der 90er, als wir begonnen haben, noch gar keine Rede vom Internet.
Man sollte aber nicht mehr daraus machen, als es wirklich ist. Das ist ja
schon eine Sache, die religiöse Ausmaße annimmt, allgemein dieser ganze
virtuelle Kram. Ein Computer ist eigentlich auch nicht mehr als ein Hammer,
mit dem man einen Nagel in die Wand schlägt, ein Werkzeug. Und dann dieses
ganze Gewese, Kult und Rumgequatsche, so Internet und Hopp und Wap und was
weiß ich (lacht).
Kathy: Du unterstützt das also nicht so?
Ingo: Ich hab nichts dagegen, für mich ist es bloß
das, was es ist. Es bedeutet für mich nicht ein neues Lebensgefühl, bloß
weil ich da irgendwas anklicken kann. So wird es aber verkauft, nach dem
Motto: Wer das nicht macht, ist ganz doof und von gestern. Wie mit den
Handys. Ich hab zwar auch eins, aber meine Güte, deswegen mach ich doch
keinen Zirkus und such mir da so bunte Käppchen für aus oder so einen
Blödsinn. Das ist alles so armselig, weißt du. Man sollte sich mal lieber
nicht um die ganze Virtualität kümmern, sondern richtig das Leben leben.
Wenn man mit jemandem quatschen will, soll man hingehen und nicht da
Rumemailen.
Kathy: Jetzt verteufel das alles aber mal nicht zu sehr, schließlich sind
wir auch ein Internetmagazin (lacht). Sonst verschreckst du noch unsere
Leser.
Ingo: Powermetal.de, seh ich doch grade. Natürlich
(lacht). Wie gesagt, ich habe überhaupt nichts gegen Computer und Internet
als solches. Aber zum Beispiel dieser Napster-Kram, wo da grade so ein
Wirbel drum gemacht wird, das interessiert mich gar nicht, ob's uns nun
schadet oder nicht. Komischerweise regen sich ja eigentlich die auf, die den
Sack schon lange zu haben. Eigentlich kann man ja froh sein, wenn möglichst
viele Leute an deine Musik rankommen, auch wenn sie nie zum Konzert gegangen
sind oder nie eine CD kaufen würden. Insofern ist das alles eigentlich
positiv, aber da gibt's halt diese rechtlichen Probleme. Diesbezüglich gibt
es im Internet so viele Sachen. Aber letztendlich ist es nichts weiter als
früher die erste Tageszeitung oder seinerzeit der Buchdruck, da haben ja
auch alle gesagt: Uhh, das ist Teufelswerk.
Kathy: So, jetzt hab ich noch eine schöne 08/15-Schlussfrage für dich:
Was kann 2001 noch alles von SUBWAY TO SALLY erwarten?
Ingo: Wir haben erstmal eine ausgedehnte Tour zur
Platte, die startet am 14. April und dauert so 12 bis 14 Tage am Stück. Dann
ist erstmal eine Woche Pause, dann geht's gleich wieder weiter, nochmal eine
Woche. Dann kommt, wie schon erwähnt, Mexiko, im Mai, und dann gehen im
Sommer die Festival los. Alle möglichen Sachen sind da grade am köcheln,
bestätigt sind Wacken und das Wave Gotik Treffen. Auch für Sachen wie Rock
im Park wird grade verhandelt. Tja, und dann wird's im Herbst wieder eine
Tour geben und wieder eine Weihnachtstour. Hängt aber auch ein bisschen von
Mexiko ab, wenn's da gut läuft, machen wir vielleicht sogar noch ein paar
Termine in den Staaten. Und abschließend noch von mir: Eure User sollen sich
von mir nicht ihr Internet madig machen lassen (lacht). Aber geht auch mal
raus und lebt dort euer Leben, das ist viel cooler als das virtuelle. Und
kuckt euch keine Pornos im Internet an, macht da lieber selber was, das
macht viel mehr Spaß (lacht).
Kathy Schütte [27.02.2001]
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