Im April bittet Deutschlands innovativste und mitreißendste Metal-Band
wieder zum Tanz. Dann wird „Herzblut“, der sechste Longplayer der
Berlin-Potsdamer SUBWAY TO SALLY, die Albumcharts erobern, klangliche
Nachahmer vor Neid erblassen lassen und vor allem die unzähligen Fans
des Septetts verzücken.
Obwohl SUBWAY TO SALLY für bis ins kleinste Detail ausgefeilte Lieder
bekannt sind, für Facettenreichtum stehen und ihre Stücke immer um
lebensnahe und farbenfrohe Texte bereichern, gestaltete sich der
Produktionsprozess zum neuen Album nicht wie eine
Elefantenschwangerschaft. Sprich: Zwischen der letzten größeren Tour im
vergangenen Herbst und dem Abschluss der Aufnahmen vergingen gerade mal
zwei Monate.
Alles andere als üppig viel Zeit also. Bereits Mitte Januar luden
Eric, Bodenski & Co. Teile der deutschen Musikpresse in ihre Heimat
zu einer akustischen Kostprobe ein. Aber wenn während einer solchen
Präsentation selbst der stets ruhig, ausgeglichen und zurückhaltend
wirkende Bassist Silvio Runge völlig enthusiastisch herumzappelt und
etwa fünfmal „Wartet´s ab, ihr werdet total begeistert sein!” ruft, dann
muss der Band ein Geniestreich gelungen sein, der gleichwertig neben
dem ´99er Zehn-Punkte-Album „Hochzeit“ bestehen kann.
Nachdem man die Schreiberlinge in einer urigen Mischung aus
Bauernkneipe und Rittertafel mit deftiger Kost und Unmengen an Bier aus
großen Porzellanhumpen verwöhnt hat, lüftet die Band das große Geheimnis
um ein Album, »über das ihr euch alle ganz schön wundern werdet«, wie
Gitarrist Bodenski lautstark und mit glänzenden Augen ankündigt.
* Bereits der Opener ´Die Schlacht´ vertreibt alle Befürchtungen,
dass die Subways eventuell zu eilig mal eben eine Platte aus dem Boden
gestampft haben. Das Stück beginnt mit Tribal-artigem Drumming, sanften
Akustikgitarren und weiblichem Ethnogesang und steigert sich in ein
rasantes, wellenartiges Miteinander von Midtempo und schnellen Refrains.
* Es folgt ´Veitstanz´, bereits im Herbst live getestet und mit
Sicherheit einer der Hits von „Herzblut“. Schnelles Tempo, beschwingtes
Violinenspiel, Flöteneinsätze, simples Riffing, lyrische Lebenslust und
(wie der Titel bereits verdeutlicht) extrem tanzbar.
* ´Das Messer´ drückt den massiven, melancholischen Groove aus, zu
dem das Septett weltweit als einzige folkloristisch beeinflusste Band in
der Lage ist.
* ´Herrin des Feuers´ lebt von hymnischen Teilen, von schwebenden
gotischen Elementen, von Minnegesang und Pathos - ein weiteres Highlight
der Scheibe.
* Der alles überragende Hit dieses erneut exzellenten Albums heißt
´Kleid aus Rosen´, ist perfekt zum Tanzen, Headbangen, Mitsingen und
sogar zum Träumen. Erstmals in ihrer Bandgeschichte gehen SUBWAY TO
SALLY mutig und offensiv mit modernen und stilfremden Elementen um; sie
machen nicht einmal vor Techno-artigem Drumming Halt. Allerdings haben
sie das Stück nicht plump auf hip getrimmt - jedenfalls meint unser
ebenfalls schwerst entzückter Götz nach dem fünften Albumdurchlauf: „Ich
hab´ das Techno-Drumming gar nicht richtig mitgekriegt.“ Und zum
Zeitpunkt dieser elementaren Feststellung ist Götz nüchtern...
Auch die Band weiß sehr wohl, welcher Geniestreich ihr gelungen
ist. So meint Gitarrist und Hauptsongwriter Ingo Hampf: »Ich denke, dass
´Kleid aus Rosen´ einer der besten Songs der Bandgeschichte ist. Hier
passt alles: Text, Musik sowie die technischen Neuerungen wie Loops und
Techno-Beats.«
Und Drummer David Pätsch fügt hinzu: »Ich finde, dass ´Kleid aus
Rosen´ das beste Stück der Scheibe ist, da es alle Eigenschaften von
SUBWAY TO SALLY in sich vereint. Es ist das Aushängeschild der Platte!«
Worum geht es inhaltlich in diesem Stück?
Texter Bodenski erklärt: »Es ist eine Parabel auf den Verlust der Unschuld, versehen mit einer Geschichte übers Tätowieren.«
Und weil bei keiner Band die Texte so monumental und lebendig sind
wie bei SUBWAY TO SALLY, hier exklusiv ein Auszug aus ´Kleid aus Rosen´:
Ein gutes Mädchen lief einst fort,
verließ der Kindheit schönen Ort,
verließ die Eltern und sogar
den Mann, dem sie versprochen war.
Vor einem Haus, da blieb sie stehn,
darinnen war ein Mann zu sehn,
der Bilder stach in nackte Haut,
da rief das gute Mädchen laut:
Meister, Meister, gib mir Rosen,
Rosen auf mein weißes Kleid.
Stech die Blumen in den bloßen
unberührten Mädchenleib.
Befragt nach seinen Lieblingssongs, nennt der Texter ´Herrin des
Feuers´ sowie ´Die Schlacht´. Verschiedene Musiker, verschiedene
Favoriten - dies zeichnet ein starkes Album aus. Und stark sind auch die
anderen Stücke:
* ´Wenn Engel hassen´ lebt vom beeindruckenden Chorgesang der Herren Eric, Simon und Bodenski.
* ´Krötenliebe´ ist eine ausgewogene Melange aus Lebensfreude und kindlichem Blick in die Welt.
* ´Accingite Vos´ (deutsch: „Bereitet euch vor“) vermischt Sakralgesang mit aufgewecktem Folkrock.
´So rot´ beweist, dass Liebesballaden am besten nur noch von dieser
Band geschrieben werden sollten. Was hier als Magie überzeugt, ist in
anderen Proberäumen höchstens „Maggi“.
* Und bei ´Drei Engel´ schlussendlich kommt der versteckte Schuss
gegen christliche Scheinheiligkeit mit den musikalischen Mitteln des
Klerus´ (und einer dämonischen Leadgitarre).
Fazit: SUBWAY TO SALLY haben ihre enorme songschreiberische
Treffsicherheit sogar verbessert und wirken verspielter und
selbstbewusster als auf ihrem Meilenstein „Hochzeit“. Somit ist
„Herzblut“ eine Dreiviertelstunde auf allerhöchstem Niveau.
»Wir wollten was total anderes machen als auf „Hochzeit“ und wundern
uns, dass wir plötzlich ein Album haben, in dem all unsere Wurzeln zu
finden sind«, sagt Texter und Gitarrist Bodenski und fügt hinzu: »Man
kann auf „Herzblut“ Elemente finden, die es in ähnlicher Form bereits
auf „Bannkreis“ gab. Der große Unterschied ist, dass wir damals noch
nicht in der Lage waren, die starken Songs zu schreiben.«
Einen Grund für diese Entwicklung nennt Ingo Hampf: »Unser Drummer
David hat erstmals komplett eigene Ideen in die Stücke eingebracht. Er
trommelt nicht nur straight mit, sondern setzt eigene Akzente.«
Der gelobte David Pätsch meint dazu: »Ich wollte nicht nur
durchknüppeln, weil ich einfach geil darauf war, die Songs bunter zu
gestalten. Die neuen Stücke sind so großartig, dass sie es einfach
verdienen, auch vom Schlagzeuger bereichert zu werden. Das enorme Niveau
von „Hochzeit“ ist schlicht und einfach um Spielfreude bereichert
worden.«
Doch was ist generell anders? Wo ist der Bruch mit vermeintlich unabänderlichen Eigenarten im Innern der Band?
Bodenski dazu: »Wenn man so lange Musik macht wie wir, ist das Wort
„anders“ mit einem großen Fragezeichen behaftet. Wir wollten mit
größtmöglicher stilistischer Toleranz an das neue Album gehen. Neben
Ingo gibt es ja noch andere Songwriter - und zwar Eric, Simon und mich.
Wir haben uns im Studio eine Spielwiese eingerichtet und sind wirklich
jeder Idee jedes Musikers nachgegangen. Wir hatten zu Beginn der
Albumproduktion Unmengen an Material; so viel wie noch nie zuvor.«
Das Schreiben von Melodien oder vollständigen Liedern hat im Hause
SUBWAY TO SALLY auch etwas mit schmerzhaftem Verzicht zu tun, wie
Bodenski erklärt:
»Kurz vor Beginn der Aufnahmen übten wir gnadenlose Selektion aus.
Diese ist bei uns regelrecht selbstzerstörerisch. Ein guter Song reicht
uns nicht aus. Die Stücke, die es auf „Herzblut“ geschafft haben, sind
der kleinste gemeinsame Nenner von sieben Individualisten. Es gibt
keinen Song, den irgendwer in der Band heimlich doof findet.«
Das bestätigt auch Sänger Eric Fish: »Es war verdammt hart, das
kannst du glauben! Ich habe fünf Stücke geschrieben und war mächtig
stolz darauf. Aber nur eins davon befindet sich auf der Platte. Ich habe
mir immer gesagt: „Eric! Sei mutig! Denk nicht zuerst an die Fanbasis
und an deine Songs, die es nicht auf die Platte geschafft haben, sondern
glaube fest an die Stücke, die unser Album repräsentieren!“«
Und glaubst du daran?
Eric: »Ich könnte platzen vor Stolz. „Herzblut“ ist wundervoll!«
Bodenski: »Es war tatsächlich extrem hart. Auch ich habe Songs ins
Studio gebracht; sogar extrem radiotaugliche, die allesamt durchgefallen
sind. Andere Lieder, die bereits sehr früh fertig waren, lagen erst mal
ewig lange im Winterschlaf und sind erst bei der Produktion reanimiert
worden. ´Herrin des Feuers´ ist der älteste Song, der es allerdings
zuletzt auf die Scheibe geschafft hat.«
Unmittelbar nach Veröffentlichung von „Herzblut“ werden die sieben
Ausnahmemusiker wieder dort stehen, wo sie sich am wohlsten fühlen: auf
den Bühnen großer Hallen. Es werden - da muss man kein Hellseher sein -
erneut regelrechte Freudenfeste sein.
Bodenski dazu: »Jedes neue Stück ist es wert, live gespielt zu
werden. Das geht natürlich nicht. Ich glaube, da kommen noch harte
Diskussionen auf uns zu.«
Muss diese Band glücklich sein! Denn wer kann schon von sich
behaupten, zu viele tolle Lieder für einen Konzertabend zu haben?
Jedenfalls niemand in diesem Land...
Wolf-Rüdiger Mühlmann
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