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RockHard - Blut, Blut, Teddy´s saufen Blut
Veröffentlicht am 27.02.2010 von Darkangel | Aufrufe: 184


Herzblut“ haben SUBWAY TO SALLY ihr nunmehr sechstes Studioalbum genannt - und damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Kaum eine zweite Band geht nämlich mit soviel Leidenschaft und Detailverliebtheit zu Werke – sei es beim Komponieren der Songs, beim Verfassen der Texte, beim Austüfteln des Konzepts, im Studio, auf der Bühne oder sogar bei den Interviews.

Mit Sänger Eric Fish, Texter Bodenski und Hauptkomponist Ingo Hampf stellten sich gleich drei Bandmitglieder unseren Fragen. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern, die Interviews als lästige Pflicht empfinden, macht es den drei Potsdamern sichtlich Spaß, über ihre neuen Songs zu sprechen und über das Drumherum Auskunft zu geben. Kein Wunder, denn auf „Herzblut“ können SUBWAY TO SALLY verdammt stolz sein. Schließlich haben sie nicht nur das hohe Niveau des Vorgängers „Hochzeit“ gehalten, sondern es auch geschafft, ihr ohnehin schon beachtliches Spektrum noch zu erweitern.
Zunächst einmal fällt die neue Optik ins Auge. Band und Coverartwork präsentieren sich in unschuldigem Weiß, das die Rose bzw. Frau Schmidt um so blutroter erscheinen lässt. Was steckt hinter dem prägnanten Titel und dem außergewöhnlichen, ästhetischen Artwork und Outfit?
»Ingo schlug vor, unsere neue Scheibe „Herzblut“ zu nennen, und ich fand spontan, dass das ja wohl gar nicht geht«, gesteht Bodenski seine anfängliche Skepsis. »Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen hatte, dachte ich mir dann jedoch: „Warum eigentlich nicht?“ Mir gingen nach und nach die Argumente aus. Das Wort charakterisiert die Band gut und lieferte zudem gute Ideen für eine graphische Umsetzung. Ursprünglich wollten wir ein blutbeflecktes Bettlaken abbilden, doch das haben wir wegen der Deflorations- bzw. Entjungferungs-Assoziation wieder verworfen. Daraufhin kam Frau Schmidt mit der Idee des Rosenblattes an, und wir waren sofort begeistert. Das dominierende Weiß haben wir bewusst als Gegenpol zum in der Metal- und Gothic-Szene vorherrschenden Schwarz gewählt. Wir freuen uns schon auf die Stories und Anzeigen in den Magazinen...«
Das Artwork betont auch das zentrale Stück des Albums: ´Kleid aus Rosen´. Dieses in zwei verschiedenen Versionen vertretene Juwel vereint alle Stärken von SUBWAY TO SALLY und symbolisiert die Weiterentwicklung der Band. Bei diesem Song arbeitete die Band nämlich erstmals mit Programming, das Kollege Mühlmann in seinem Studioreport mit Techno-Drumming zu beschreiben versuchte.
»Ingo wollte damit schon auf „Hochzeit“ experimentieren, aber die meisten von uns hielten das für Teufelszeug und hatten noch zu viele Vorbehalte«, gesteht Bodenski. »Inzwischen sind wir jedoch wesentlich aufgeschlossener und haben ein anderes Level erreicht. Wir haben sogar schon in der Demo-Phase mit Loops gearbeitet. Dadurch sind diese Elemente so songdienlich und dezent eingesetzt, dass wir selbst Technik-Muffel nicht allzu sehr verschrecken dürften; sicherheitshalber haben wir ´Kleid aus Rosen´ aber noch mal als Akustikversion eingespielt. Es war eine Herausforderung für uns und der nächste logische Schritt in unserer Entwicklung. Auf Techno-Raves gehen wir deshalb aber nicht!«
Nicht das Programming, sondern die komplizierte Grifftechnik hindert Eric daran, diesen Song in sein Solo-Repertoire aufzunehmen, was ihn zu einer Lobrede auf den musikalischen Kopf Ingo verleitet:
»Ich habe schon versucht, das Lied auf normale Harmonien umzuarbeiten, aber das geht nicht. Ingo ist eine absolute Koryphäe und hat vergessene Kompositionstechniken in langer Arbeit recherchiert und erlernt. Wenn er wollte, könnte er an Hochschulen dozieren.«
»Die Harmonien kommen nicht aus dem normalen Gitarrenfundus, sondern sind nach der Lehre der Kontrapunktion geschrieben worden, einer Tontechnik aus dem 15. Jahrhundert, die nur noch von ein paar Spinnern wie mir praktiziert wird«, erklärt der stets bescheiden auftretende Prof. Dr. Hampf. »Sie ist der Ursprung der mehrstimmigen Musik und hat strenge Regeln, die extrem diffizil sind. Ich habe sie teilweise allerdings nach eigenem Gutdünken etwas abgeändert, so dass Johann Sebastian Bach mich dafür wahrscheinlich tadeln würde. Aber schließlich will ich nicht in der Vergangenheit schwelgen, sondern diese alte Kunst dazu nutzen, um mit modernen technischen Mitteln Musik für heute zu schreiben. Deshalb greifen wir inzwischen nicht mehr auf traditionelles Liedgut zurück; auch ´Accingite Vos´ ist eine hundertprozentige Eigenkomposition, obwohl es altertümlich klingt. Bei uns gibt es immer mehrere Ebenen, die sich im ersten Augenblick gar nicht alle erschließen. Die Songs wirken zunächst ganz simpel, doch je mehr man hinhört, desto mehr Details entdeckt man – alles ist sehr durchdacht, nichts passiert zufällig.«
Als guten Tipp zum Bestaunen der ausgefeilten mehrstimmigen Passagen nennt Bodenski den Anfang von ´Kleid aus Rosen´, bei dem die „kanonische Imitation“ mit versetzten Anfängen und gemeinsamem Ende besonders gut zur Geltung kommt.
Genau wie die Musik sind auch die Texte nicht so vordergründig, wie sie auf den ersten Blick scheinen mögen. Bestes Beispiel hierfür ist ´Das Messer´, das keineswegs eine Mörderballade ist.
»Es fließt kein einziger Tropfen Blut in diesem Text«, beteuert Bodenski. »Er behandelt das Problem, einen Menschen lieben zu wollen, dies aber nicht zu können. Viele Leute haben große Angst davor, ihre Gefühle zuzulassen. Deshalb singt der Chor in der zweiten Strophe: „Denn ich bin dir schon zu nah.“ Ein Beispiel dafür sind One-Night-Stands: Du produzierst sehr schnell eine große Nähe, die am nächsten Morgen dann plötzlich wieder weg ist. Zurück bleibt nur Leere. Es ist eine Gratwanderung zwischen Liebe und Zerstörung; zwischen die Schulterblätter des Menschen neben dir im Bett passt genausogut ein Kuss wie ein Messer.«
Im Vergleich zu früher, als die Band eher die Position eines neutralen Erzählers einnahm, sind die Texte von „Herzblut“ wesentlich emotionaler - ´Krötenliebe´ thematisiert beispielsweise Leidenschaft bis zur Selbstaufgabe. Bodenski stimmt dieser Einschätzung nachdrücklich zu, will aber zu weiteren Texten keine Stellung nehmen, um die zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten nicht unnötig einzuschränken.
Auch wenn es einem bei weitem noch nicht so lange vorkommt: SUBWAY TO SALLY feiern 2002 ihr zehnjähriges Jubiläum. Davon will die Band jedoch nichts wissen, obwohl Eric erst gestern wieder von der Vergangenheit eingeholt wurde:
»Eine Frau legte mir zum Signieren einen alten Konzert-Zettel – Flyer wäre schon zuviel gesagt – vor, der mit Filzstift geschrieben war und unseren Gig für sechs Mark in irgendeiner Klitsche in Korschenbroich ankündigte. Das war schon seltsam. Dennoch fühlen wir uns alles andere als alt, weswegen wir auch keinen Bock auf ein Jubiläumskonzert oder eine Feier zum Zehnjährigen haben. Dann würden wir uns wie Altrocker vorkommen.«
Auch wenn solch ein Ereignis eine feine Sache für die Fans wäre, ist die Entscheidung verständlich, denn im Kreise von Thomas Gottschalk, Peter Maffay oder den Scorpions wollen wir unsere Lieblinge schließlich nicht sehen. Dennoch bietet sich so ein Jubiläum natürlich dazu an, Bilanz zu ziehen. Sind SUBWAY TO SALLY zufrieden mit dem bisher Erreichten?
»Das ist eine zweischneidige Sache«, holt Bodenski weit aus. »Einerseits danken wir Gott auf Knien, dass wir bei einer tollen Plattenfirma sind, von der Presse gebauchpinselt werden und viele treue Fans haben, andererseits geht es immer besser. Ich kenne keinen Musiker, der wunschlos glücklich ist. Als wir angefangen haben, war unser Traum, mal einen Club auszuverkaufen. Das haben wir geschafft. Heute spielen wir in mittelgroßen Hallen, doch mit den Erfolgen wachsen natürlich auch die Ansprüche. Deswegen träumen wir jetzt davon, mal ein Stadion füllen zu können. Welche Band will das nicht? Die Frage ist halt nur, wie viele Kompromisse man dafür eingeht – und da heißt die Antwort bei uns ganz klar: keine! Wir sind sehr stolz auf unsere bisherigen Alben und auf „Herzblut“ im Besonderen, so dass wir mit unserer Musik und unseren Texten so viele Leute wie möglich erreichen wollen. Unter diesem Aspekt ist es sehr schade, dass wir sowohl von MTV als auch von VIVA so gnadenlos abgeblockt werden. Bei beiden Musiksendern hat man uns zu verstehen gegeben, dass ein Videoclip von uns keine Chance hätte, gespielt zu werden. Dabei bin ich sicher, dass viele die Schnauze voll von dieser berechenbaren Retortenmusik haben, die den ganzen Tag dort läuft. Gründe nannte man uns keine. Vielleicht haben wir mit unseren mittelalterlichen Einflüssen das falsche Image für die multimedialen Kids der werberelevanten Zielgruppe...«
Entmutigen lassen sich die tapferen Sieben davon jedoch nicht. Bevor wegen dieses berechtigten Ärgernisses schlechte Stimmung aufkommt, plaudert Eric aus dem Nähkästchen und gibt zahlreiche Tour-Anekdoten zum Besten.
»Wie viele wahrscheinlich wissen, gibt es die alte Tradition, dass sich am letzten Tag der Tour die Support-Band und der Headliner gegenseitig Streiche spielen. Als ich bei der Ballade ´Maria´ mein Innerstes nach außen kehrte und voller Inbrunst sang, hörte ich statt meiner Stimme nur ein gestöhntes „Oh Eric, du bist so geil!“. Der Monitor-Mischer (die Person, die für den Sound auf der Bühne zuständig ist) hatte den Ton von meiner Box genommen und stattdessen in sein Mischpult-Mikro gesprochen. Zum Glück konnte ich mich noch halbwegs beherrschen, denn außer mir hat das natürlich keiner mitbekommen, so dass ich mit einem plötzlichen Lachkrampf ziemlich dämlich dagestanden hätte.
Eine harte Probe musste ich auch bestehen, als wir zusammen mit den Merlons tourten. Ich stand schon die ganze Zeit über total auf ihre Sängerin und Flötistin Antje – eine absolute Augenweide. Bei der letzten Show in der Stuttgarter Röhre kam sie bei ´Syrah´ plötzlich auf die Bühne und übernahm den Frauengesang. Dabei umtanzte sie mich betont lasziv und rieb sich an mir auf und ab, so dass ich mächtig ins Schwitzen kam – das war echt `n Hammer!
Lustig war auch unser letzter Tourabschluss. Wir haben auf der zweiten Etappe der „Hochzeit“-Tour bei ´Henkersbraut´ jeden Abend einen riesigen Teddybär geschlachtet. Am letzten Abend erwachte er danach jedoch zu neuem Leben und kam plötzlich zurückgerannt, um sich an uns zu rächen! Des Rätsels Lösung: Unsere zierliche Backlinerin hat am Bühnenrand schnell das ganze Futter aus dem Teddy rausgewühlt und ist selber in das Fell geschlüpft. Was für ein Gag!
Ein Song abbrechen mussten wir jedoch erst ein einziges Mal: Vor einigen Jahren war es bei einem Gig in Erfurt saukalt, und wir haben uns zum Aufwärmen eine hochprozentige Bohle gemacht. (Geiler Tippfehler, Schleuti! - Red.) Die hat mir so gut geschmeckt, dass ich schon vor der Show etliche Gläser getrunken habe. Als das Intro anfing, habe ich mir noch schnell zwei große Becher gefüllt und bin dann auf die Bühne gehetzt. Genau in dem Moment, als mein Spot anging, bin ich über die letzte Stufe gestolpert und habe mich mit der Bohle in beiden Händen der Länge nach hingelegt. (Potztausend! Hast du in letzter Zeit zu viele hochprozentige Dieter Bohlen-Bootlegs gehört? - Red.) Alle haben sich natürlich krank gelacht, und ich sang nur noch „Es kommt ein Stu-hu-hu-hu-hu-hu-rm“.«
Seitdem trinkt Eric kaum noch was auf Tour...

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