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RockHard - Die Drehleiher wird eingemottet
Veröffentlicht am 27.02.2010 von Darkangel | Aufrufe: 132
Nachdem SUBWAY TO SALLY von 1998 bis 2001 jedes Jahr ein Album veröffentlichten, ließen sie sich für die neue CD „Engelskrieger” etwas mehr Zeit. Neben den zahlreichen Live-Aktivitäten gibt es dafür auch einen anderen Grund. Die Potsdamer haben nämlich sowohl musikalisch als auch textlich eine erhebliche Kurskorrektur vorgenommen.

Gitarrist Ingo Hampf erkennt man im Kölner Studio 301, wo der Mix über die Bühne geht und die Band mit Ausnahme von Frau Schmitt komplett anwesend ist, kaum wieder. Der musikalische Kopf von SUBWAY TO SALLY hat seine schwarze Mähne nicht nur gegen eine modische Kurzhaarfrisur eingetauscht, sondern sich seine Haare auch noch hell blondiert. Wenn das mal nicht wieder die Leserbriefschreiber auf den Plan ruft, die der Band vor einiger Zeit die Freundschaft aufkündigten, nur weil sich Sänger Eric Fish von seiner Matte verabschiedet hatte...
»Wir waren zuletzt alle irgendwie unzufrieden«, gesteht Drummer David ungeachtet der starken letzten Scheibe “Herzblut”. »Also setzten wir uns zusammen, und jeder kotzte sich aus. Wir sammelten alle Änderungswünsche und merkten dabei schnell, dass diese sich ziemlich ähneln. Nun waren wir zwar eh noch nie eine reine Mittelalter-Band und haben auch bisher schon versucht, in unseren Texten einen aktuellen Bezug herzustellen, aber die offene Art ließ viele Interpretationen zu, die beispielsweise bei ´Das Messer´ von einem Liebeslied bis zu einer glorifizierenden Mord-Darstellung reichten. Deswegen sind die neuen Lyrics etwas konkreter und behandeln Themen, die uns allen am Herzen liegen.«
Zum besseren Verständnis hat die Band extra eine Info-Mappe angefertigt, in der jedem Text eine Zeitungsmeldung zugeordnet ist, die weitere Aufschlüsse über die Hintergründe gibt. Leider sind sich die Musiker noch nicht ganz einig, ob diese Artikel auch den Weg ins CD-Booklet finden werden. Das der ersten Single ´Falscher Heiland´ (grooviger Riff-Rocker mit bombastischem Mitgröl-Chorus) zugeordnete Zitat eines Politologen stellt einen Bezug zur aktuellen Wahlbetrug-Debatte her:
»Seit Jahrhunderten verspricht man den Menschen das Blaue vom Himmel herunter oder den Himmel selbst, wenn man sie vereinnahmen will. Man darf nicht jedes Wort im Wahlkampf auf die Goldwaage legen.«
Andere Themen, die im nächsten Rock-Hard-Interview intensiver beleuchtet werden, sind u.a. Amokläufe, AIDS, Sterbehilfe, ausgearteter Körperkult und die Probleme, die das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen mit sich bringt.
Nicht weniger bedeutend sind die musikalischen Einschnitte, die die Band vollzogen hat. Voller Spannung verfolgen die Subways, wie die Journalisten und Label-Leute das Ergebnis der gut dreimonatigen Studioarbeit aufnehmen. Als es nach der Listening-Session stürmischen Beifall und gar Zugabeforderungen gibt, sind sie sichtlich erleichtert. Der Mut der Band hat sich ausgezahlt, denn die neuen Songs sind fast ausnahmslos Volltreffer, die deutlich riffbetonter, metallischer, straighter und sparsamer instrumentiert als bisher ausfallen. Nach Drehleier oder Laute sucht man vergebens. Die Mittelalter-Bezüge manifestieren sich fast nur noch in der typischen Melodieführung und im Gesang von Eric, der seine Stimme allerdings wesentlich abwechslungsreicher als bisher einsetzt. Dennoch erkennt man zu jeder Sekunde, welche Band hier aufspielt, da u.a. mit dem gekonnt ausgearbeiteten Kanon des Refrains von ´Unsterblich´ oder den Geigen-Breaks wichtige Trademarks erhalten geblieben sind. Im Gegenzug dominieren die Gitarren wesentlich mehr. Mit Ausnahme des Spieluhr-Schlafsongs ´Abendlied´ baut jedes Stück (selbst die Halbballade ´Verloren´) auf mitreißenden Riffs auf, die auch Rammstein gut zu Gesicht stehen würden. ´Abendland´, ´Geist des Kriegers´ und ´Falscher Heiland´ grooven zudem wie die Hölle. Völlig neu, jedoch eher als schmückendes Beiwerk ohne große Relevanz gibt es überdies einige elektronische Spielereien sowie überraschend experimentelle Gitarren-Soli (´Narben´).
Fazit: SUBWAY TO SALLY haben einen sehr großen Entwicklungsschritt gemacht, ohne dabei ihre eigene Geschichte zu verleugnen. Mit diesem packenden, am 3. März erscheinenden Album dürften sie sowohl die alte Stammkundschaft bestens bedienen als auch neue Fans erreichen.

Marcus Schleutermann

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