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RockHard - Interview mit Eric
Veröffentlicht am 27.02.2010 von Darkangel | Aufrufe: 201
Mit seinen 30 Jahren hat Eric Fish bereits ein bewegtes Leben hinter
sich. Angefangen hat seine musikalische Laufbahn in einer Akustikgruppe;
zur Wendezeit schlug er sich als Straßenmusiker durch. Und seit acht
Jahren singt und spielt der sympathische Blondschopf in einer der
aufregendsten Bands unseres Landes: Subway To Sally. Rock Hard blätterte
ein wenig in der Biographie des Ostdeutschen.
Wann wurdest du geboren, und wo bist du aufgewachsen?
"Ich bin 1969 in Treuenbrietzen zur Welt gekommen. Verbindet man den nördlichsten mit dem südlichsten sowie den östlichsten mit dem westlichsten Punkt der ehemaligen DDR, liegt Treuenbrietzen genau in der Mitte. Aufgewachsen bin ich in mindestens sieben verschiedenen Orten und Regionen, weil wir ständig umgezogen sind." Woran denkst du spontan, wenn man dich auf deine Kindheit anspricht? "An eine grüne Wiese mit blühenden Apfelbäumen, irgendwo in Halle. Als Kind habe ich mich ständig in der Natur herumgetrieben. Ein anderes prägendes Erlebnis war die Geburt meiner beiden Brüder. Sie beendete meine Kindheit, denn ich wurde zu einer Art Erzieher und Aufpasser." Haben deine Eltern versucht, dich vom Musikmachen abzubringen und dir einen bürgerlichen Weg schmackhaft zu machen? "Sie versuchten es auf jeden Fall. Man kennt die Sprüche ja: "Lern doch einen ordentlichen Beruf! Als Musiker kannst du nie eine Familie ernähren..." Sie ignorierten, dass jemand, der ernsthaft Musik machen möchte, die Berufung dafür in sich hat. Ihr Misstrauen hat sich bis heute nicht gelegt. Sie akzeptieren meinen Werdegang nur, weil ein bisschen Geld reinkommt." Respektieren deine Eltern zumindest deine Leistungen als Musiker? "Das kommt auf unsere Präsenz in den Medien an, haha." Wer oder was hat dich dazu bewogen, Musik zu machen? "Als Jugendlicher wollte ich in einer Band spielen. Irgendwann tat sich eine Möglichkeit auf, aber ich sollte lernen, Gitarre zu spielen. Durch das Üben mit dem Instrument begriff ich erstmals, was es heißt, vorwärts zu kommen. Und das hat mich letztlich immer getrieben. Hinzu kommt eine gewisse Sucht, mich exhibitionistisch darzustellen. Vor den Leuten steht ein Musiker ja quasi nackt da, denn die Skeptiker im Publikum warten auf Fehler. Ich war immer geil darauf, gerade diese Typen auf meine Seite zu ziehen und es ihnen richtig zu zeigen. Ein bestimmter Mucker oder ein Idol haben mich jedenfalls nicht inspiriert." Was war dein erstes einschneidendes Erlebnis als Straßenmusiker und was dein witzigstes? "Das erste große Erlebnis war, als ich auf dem Berliner "Alex" innerhalb von einer Stunde 200 Mark verdient habe. Das war 1989, und unter den 200 Kröten waren sogar 30 Westmark. Da dachte ich, ich sei im Paradies. Das witzigste Erlebnis ist zugleich ein makabres: Ich lernte einen lustigen Typen kennen und soff mit ihm jede Menge Whiskey. In dieser Nacht nahm er mir das Versprechen ab, dass ich bei seiner Beerdigung den Dudelsack spiele. Zwei Wochen später erhielt ich eine schriftliche Einladung. Er wusste also offensichtlich, dass es Zeit für ihn war. Die Beerdigung wurde nach irischer Tradition zelebriert, also eher lustig als pietätvoll. Man feiert das neue Leben, das aus der Asche des alten entsteht. Und ich spielte dazu den Dudelsack." Warst du als Schüler ein Raufbold, der Paradiesvogel in deiner Klasse, ein Mädchenschwarm oder doch eher ein unauffälliger Junge? "Ich musste ja sieben Mal die Schule wechseln und mich stets neu einleben und etablieren. Da steht man nicht im Mittelpunkt. Ich war höchstens eine Integrationsfigur für jene, die keinem Trend hinterhergehechelt sind, da ich mich einen Dreck um Mode, schicke Uhren oder Mofas scherte." Welches Unterrichtsfach hast du gehasst, welches geliebt? "Russisch habe ich gehasst. Toll fand ich Sport." Was wäre aus Eric Fish geworden, wenn er keine Musikerlaufbahn eingeschlagen hätte? "Lokomotivführer? Raumfahrer? Das waren meine Kindheitsträume. Später wurde mir klar, dass mein Beruf etwas mit Natur zu tun haben musste. Also wurde ich Geologe." Wann hattest du das erste Mal Sex? "Den ersten Geschlechtsverkehr hatte ich mit 16, das erste Mal Sex mit 20." Was liebst du an deinem Wohnort Königs-Wusterhausen, was geht dir in dem Kaff auf die Nerven? "Ich lebe hier, weil ich einfach regelmäßig Ruhe, Wald und Wasser brauche. Auf den Sack geht mir, dass ich nach 22 Uhr keine Chance habe, mich in eine Kneipe oder ein Straßencafé zu setzen." Bist du politisch interessiert? Würdest du dich als Musiker von einer Partei oder Massenbewegung einspannen lassen? "Ich war früher stärker interessiert. In letzter Zeit verschwinden die Konturen zwischen den Parteien mehr und mehr. Ich habe das Gefühl, dass hinter jedem Satz, der gesprochen wird, nur der Gedanke an die nächsten Wahlen steht. In dieser Gesellschaft geht es nur noch um Machterhaltung; der Grundgedanke der bürgerlichen Demokratie ist fast schon verloren. Subway To Sally - da kann ich für die gesamte Band sprechen - würden sich nicht von der Politik vereinnahmen lassen. Ein solches Ansinnen wurde bereits mehrfach an uns herangetragen. Für Benefizkonzerte hingegen stehen wir problemlos zur Verfügung." Angenommen, du müsstest als Spitzenkandidat einer Partei eine Wahl gewinnen, hast aber kaum Siegchancen. Nenne mir fünf Punkte deines alternativen Wahlprogramms, mit denen du das Steuer noch herumreißen könntest. "Zuerst würde ich auf Privatvermögen über drei Millionen Mark 50 Prozent Steuern erheben. Kerosin würde ich ebenfalls mit 50 Prozent besteuern. Außerdem würde ich die Wehrpflicht abschaffen. Ferner sollte es ein Gesetz geben, das besagt, dass Abgeordnete und sonstige Staatsbedienstete nicht mehr verdienen dürfen als ein Meister auf dem Bau. Zuletzt würde ich den Sprit auf eine Mark verbilligen sowie eine Mark drauflegen, die komplett in Umweltprojekte fließt." Was war dein peinlichstes Erlebnis mit Subway To Sally? "Wir spielten Silvester ´97/´98 in Erfurt. In dem Saal war es bitterkalt, also mischten wir uns eine mörderisch heftige Bowle zurecht und sprachen dieser auch eifrig zu. Ich war bereits vor dem Gig hackedicht. Damals hatten wir ein Intro mit drei Glockenschlägen. Beim dritten Schlag ging das Licht an, und die Band startete mit dem Stück ´Der Sturm´. Ich stieg auf die Bühne, in der rechten Hand zwei Pappbecher mit Bowle und in der linken zwei Flaschen Bier. Genau in dem Moment, als das Licht anging, stürzte ich der Länge nach auf die Bühne, schlug mir beide Schienbeine blutig, hatte alle Viere von mir gestreckt und guckte blöd. Das Publikum lachte sich scheckig, und die Bandkollegen knieten ebenfalls vor Lachen." Gesetzt den Fall, du müsstest eines der drei folgenden Dinge tun, für was würdest du dich entscheiden: für einen sozialen Zweck drei Subway-Stücke auf der Bühne rappen statt singen; Werbung für die neue Backstreet Boys-CD im Fernsehen machen; gemeinsam mit dem Papst einen Videoclip drehen? "Wenn man den Papst für sich instrumentalisieren könnte, wäre das schon geil. Er instrumentalisiert die Kirche ja auch für sich. Aber wenn ich mir die Wirkung betrachte, wäre mir das doch zu gefährlich. Also würde ich die einfachste Variante wählen und drei Subway-Stücke rappen. ´Erdbeermund´ wäre klasse." Bei welchem historischen Ereignis wärst du gern anwesend gewesen? "Beim Bauernkrieg, kurz vor dessen Ende - genauer gesagt bei der Schlacht bei Bad Frankenhausen um 1525. Mit dem heutigen Wissen hätte ich Thomas Münzer helfen und das Blatt wenden können. Münzer war für mich immer eine Kultfigur, weil er sich für die Sache der Bauern opferte. Martin Luther hingegen habe ich durch die verschiedenen Bücher, die ich über ihn gelesen habe, fast schon hassen gelernt. Dieser Arsch! Er hat die Bauern und Thomas Münzer verraten. Und deshalb wurde Münzer hingerichtet." Was prägt einen Musiker auf Tour? "Ich bin auf Tour das Bandmitglied, das nach außen hin am wenigsten Spaß hat. Wenn ich regelmäßig feiern, trinken und rauchen würde, könnte ich eine lange Tour nicht durchhalten. Deshalb lege ich mich nach jedem Konzert recht schnell ins Bett. So kann man am besten seine Stimme schonen. Ein zweistündiges Subway-Konzert erfüllt mich mehr als alle Partys und Abenteuer." Stell dir vor, jemand verwechselt dich mit Rammsteins Till Lindemann und möchte ein Autogramm von dir. Was würdest du schreiben? ""Ich will ficken. In Liebe: Till."" In welchem Film würdest du gern mal mitspielen, wenn die Möglichkeit bestünde? "Ich würde mich am liebsten selbst spielen - und zwar in einem Film, der die Entwicklung von Subway To Sally zeigt. Der Film sollte mit den ganz frühen Tagen der Band beginnen; das wäre dann sicher eine Komödie." Was ist das beeindruckendste Buch, das du in letzter Zeit gelesen hast? ""House Of God" von Samuel Shem. Sechs junge Ärzte machen ein Abschlusspraktikum. Der Leser wird völlig desillusioniert über all die Dinge, die sich in einem Krankenhaus ereignen." Kannst Du kochen? "Ja, vor allem chinesisch. Zwar fehlt mir sehr oft die Zeit dafür, weil ich ständig unterwegs bin, aber letztlich koche ich öfter, als ich mit meiner Lebensgefährtin essen gehe." Bist du ein Einzelgänger oder Gesellschaftsmensch? "Ich bin ein Einzelgänger - und das seit meiner Kindheit. Ich hatte durch die etlichen Ortswechsel selten die Gelegenheit, richtige Freunde zu finden, und wurde zwangsläufig zum Einzelgänger. Das ist noch heute so. Auf Tour zum Beispiel brauche ich viel Zeit zur Besinnung. Also gehe ich oft spazieren und habe Hobbys, bei denen ich mich nicht unterhalten muss - wie Drachen steigen lassen oder angeln." Bei welcher Band stehst du nicht als Musiker im Publikum, sondern als fanatischer Fan? "Es gibt nur eine Rockband, bei deren Konzerten ich mich richtig fallen lassen kann, weil sie mich im Innersten berührt: Pothead. Ansonsten liebe ich irische Klänge. Da zuckt es mir in den Beinen. Welche Live-Show mich sehr beeindruckt hat, war die von Marilyn Manson. Ich habe im letzten Sommer etliche Bands auf Festivals gesehen, doch da haben mich nur wenige vom Hocker gerissen." Angenommen, du wirst auf einer einsamen Insel ausgesetzt: Welche drei Dinge würdest du mitnehmen? "Ich war vor ein paar Monaten auf einer einsamen schwedischen Insel im Urlaub. In der Mitte eines riesigen Sees stand ein Häuschen, in dem wir wohnten. Was ich mitnehmen würde? Mein Weib, mein Kind und eine Angel. Wenn ich noch einen vierten Wunsch frei hätte: ein kleines Motorboot." Was möchtest du in deinem nächsten Leben sein? "Noch einmal ich selbst. Diesmal aber mit allen Erfahrungen, die ich bislang gemacht habe." Stell bitte die ideale Band deiner Träume zusammen. Auch tote Künstler können zum Line-up gehören. "Eigentlich glaube ich, dass ich in der Band meiner Träume singe und spiele. Ich würde bei Subway niemanden austauschen. Aber machen wir mal Unmögliches möglich: Am Schlagzeug spielt David Pätsch von Subway, den Bass bedient Lemmy. Die erste Gitarre spielt Jimmy Page und die zweite unser Ingo Hampf. Natürlich wünsche ich mir noch jemanden in die Band, der akustische Instrumente beherrscht. Und das wäre Ian Anderson von Jethro Tull. Und dann hätte ich gerne noch Blümchen als Go-Go-Girl." Hattest du jemals ein Idol? "Als Jugendlicher habe ich wenig Musik gehört, also waren eher Fußballer meine Idole. Hans-Jürgen Kreische und Joachim Streich. Was gibt´s da eigentlich zu lachen? Eigentlich war eh mein Vater mein Idol." Wie würdest du einem Oli.P-Fan Subway To Sally schmackhaft machen? "Ich würde ihn am Kragen packen und in die wogenden Wellen unseres Publikums werfen. Die Atmosphäre, die bei unseren Konzerten herrscht, und die Stimmung unter den Fans müssten jeden vernünftigen Menschen davon überzeugen, dass Oli.P nicht einmal annähernd ein solches Erlebnis bieten kan. Übrigens: Meine 15jährige Nichte ist wahrer Subway-Fan und hat ihre gesamte Klasse infiziert." Mit wem möchtest du gern mal im Fahrstuhl stecken bleiben? "Mit dir. Und zwar direkt nach Ende dieses Verhörs..." Welche Erwartungen hast du für das Jahr 2000? "Die Zahl 2000 ist mir eigentlich schnuppe. Ich finde Silvester und Geburtstage generell ziemlich unwichtig. Weihnachten ist schon etwas anderes. Da kommt der Familienaspekt hinzu. Aber wenn du mit deiner Frage ganz allgemein ein neues Jahr unabhängig von der Zahl meinst, dann erwarte ich, dass es genauso oder vielleicht noch etwas schöner wird als 1999. In den letzten fünf Jahren ist es Jahr für Jahr besser geworden. Das kann ruhig noch eine Weile so weitergehen." Wolf-Rüdiger Mühlmann |









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