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2003 - Magdeburg
Veröffentlicht am 22.03.2003 von Ritti | Aufrufe: 129
21.03.2003 - Subway to Sally,Pinkostar - Magdeburg Factory

„Gothic war gestern heute wird gerockt!“ nach diesem Prinzip dreht sich in den folgenden Zeilen alles um Subway to Sally, die mit ihrer neuen Show zum „Engelskrieger“-Album heute in den Startlöchern standen um die Magdeburger „Factory“ in Grund und Boden zu stampfen.

Bevor die Abrissarbeiten ihren Lauf nehmen konnten, galt es wie immer das Standardprogramm zu absolvieren: Hinbfahren, Unterwegs merken dass man was vergessen hat, Parken, Schlangestehen , Eingangsgesichtskontrolle und so weiter und so fort, wie man das halt von einem normalen Konzert so kennt. Da die Factory gegen viertel nach sieben bereits ihre Pforten geöffnet hatte, ging es auch recht zügig ins Allerheiligste. Vorbei an „Märchendise-Rainer“, der wie immer unverdrossen hinter seinem Bauchladen Stellung Bezogen hatte, um die zahlreichen Fans mit T-Shirts, CDs und andere Nettigkeiten zu versorgen, suchte ich mir ein nettes Plätzchen unweit des aufgestellten Wellenbrechers, wo ich mit bester Sicht auf die heftigst beladene Bühne, wartete und im Kreise von zunehmend zahlreicher werdenden Gleichgesinnten dem Startschuss entgegenfieberte.

Um zirka 20 Uhr war es dann so weit. Vier junge Herren, die sich unter dem Namen „Pinkostar“ als Band zusammen gefunden hatten, betraten die Bühne um ihr Debutalbum „The trick is to keep breathing“ vorzustellen und den Laden für die Sallys in Stimmung zu bringen. Die musikalische Marschroute, die sich das Quartett dafür gesteckt hatte lässt sich in erster Linie als Alternative Rock mit eingeflochtenen Glam- und Gothelementen beschreiben, oder wie es der Pressetext so wunderbar formuliert: „...unverwechselbarer Sound, der mit zeitgemäßen Elektronik-Einflüssen und Querverweisen an moderne Strömungen geschickt durchzogen ist und sich stilistisch irgendwo im noch unbesetzten Terrain zwischen Doors, Muse und Pearl Jam ansiedelt“.

„Ahhh ja!“, mag der ein oder andere nun denken und sich stirnrunzelnd die Frage stellen „Und wie klangen die wirklich?“. Die Antwort darauf liegt irgendwo im Dunstkreis moderner Alternative-Rockmusik, die, wenn es Viva2 noch geben würde, mit Sicherheit beste Chancen gehabt hätte dort zünftig durchzustarten. Um „Pinkostar“ mal im Rahmen bisheriger StS Supports einzuordnen, sie spielten in etwa wie eine Mischung aus Die Happy und Schock. Und da beide genannten Bands nicht gerade zu den ruhigsten Vertretern ihrer Zunft gehören, legte das „pinkfarbene Starensemble“, bestehend aus Daniel (Gesang), Basti (Gitarre), Mark (Bass) und Enno (Drums), vom Start weg schwungvoll los.

Leider verhallten die ernsthaften Bemühungen zunächst ohne erwähnenswerten Anklang im Raume. Wie in der Vergangenheit schon Häufiger erlebt zeigte sich das StS Publikum von seiner abwartenden, zuweilen extrem wählerischen Seite und musterte die Truppe um den mit 70er Jahre Schlaghose beschürzten Frontmann merklich reserviert. Erst nach dem zweiten Song, der aktuellen Single „Too many scars“, für dessen Chartplatzierung sich die Band höflich bedankte, begann der Eisblock Sally-Fan allmählich zu tauen. Erste zaghafte Moshversuche zu schmissigem Rock waren die Konsequenz. Leider konnte dies aber nicht verhindern, dass Gitarrist Basti bei „Lose Yourself“ eine Saite seines Arbeitsgerät riss und ihn für einen Augenblick außer Gefecht setzte. Eine kurze Reparaturpause später war das Instrument aber wieder einsatzbereit und der musikalische Crashkurs in Sachen „Pinkostar“ konnte fortgesetzt werden. Song um Song wurde nun mit zunehmender Intensität und körperlichem Einsatz abgefeuert, wobei Frontmann Daniel den dicksten Part übernahm. Hüpfend, schlagend, tretend, tanzend rockte er auf der Bühne hemmungslos ab und powerte sich in einen derartigen Rausch, dass er kurzerhand den Mikroständer griff, ihn huckepack schulterte und damit ein kleines Tänzchen aufführte.

Nachdem sich mittlerweile auch ein Teil des Publikums für die Action der Vier erwärmen konnte, ging es für diese nun bereits so langsam in den Endspurt. Das vorletzte Stück begann dann mit einem kurzen Statement zur politischen Großwetterlage. „Kein Krieg für Geld“ lautete das Motto der Pinkostars und mit einigen symbolhaften Takten der amerikanischen Nationalhymne verliehen sie ihrem Denken musikalischen Ausdruck. Kurz darauf hatten „Pinkostar“ fertig. Bilanz des 40 Minütigen Gigs: Eine gerissene Gitarrenseite, unzählige verbrannte Kalorien, und ein anfangs skeptisches aber dennoch gnädig gestimmtes Subway Publikum, dass sich zum Ende hin durchaus aus der Reserve locken ließ. Bedenkt man, dass in der Vergangenheit bereits ganz andere Bands beim Versuch einen StS_Support zu geben brutalst abgefrühstückt wurden (ich sag nur Zombie Joe), blieb unterm Strich ein ordentliches Ergebnis, das jedoch keinesfalls mit dem phänomenalen Erfolg der „Bloodflowerz“ von vor einem Jahr vergleichbar ist.

Weiter im Text ging es nun mit der obligatorischen Umbaupause, bei der die eingespielte STS Stage-Crew in Person von Mel, Frank, Uwe und Toshi (manchem auch als „Noah aus der Arche“ bekannt) zügig zur Tat schritt und die Bühne für den Auftritt der Sallys vorbereitete. Dabei hatte die Truppe dieses mal einiges zu tun, denn neben dem Abtransport der überzähligen Instrumente, wollten auch noch ein paar andere Dinge am Bühnenaufbau geprüft werden. Selbst unter Mithilfe der Pinkostar-Jungs ließ es sich daher nicht vermeiden, dass fast eine halbe Stunde bis zum Konzertbeginn verstrich. Dafür bot sich nun aber ein freier Blick auf das, was die Sallys an diesem Abend für UNS aufgefahren hatten. Entgegen dem minimalistischen Prinzip der vergangenen Jubiläumstour, bei der kleine Bühnen und wenig Platz Trumpf waren, türmte sich nun ein kolossaler Bau vor dem Auge des Betrachters: Mit mehreren um das Schlagzeug herum laufenden Stufen führte eine Treppe zu einem Podest hin, das in achtbarer Höhe hinter allem aufragte und mit einem alten Ständermikrofon bestückt war. Dahinter konnte zudem einige kreisförmig angeordnete Strahler erkennen, die zu etwas gehörten was jetzt noch im Verborgenen gehalten wurde. Zu guter letzt prangte noch ein gigantisches Banner mit überkreuzten Linien im Hintergrund, dass mit Sicherheit nicht nur mich, an japanische Jagdflieger aus dem zweiten Weltkrieg erinnerte.

Nachdem mittlerweile Backliner Uwe ein letztes Mal über die Bühne geschlurft war und scheinbar alle Gegebenheiten für Einsatzbereit befunden hatte, erlosch das Licht und die Show konnte losgehen. Dabei wartete die mittlerweile dicht gedrängte Menschenmasse gespannt wie ein Flitzebogen auf das Erscheinen der glorreichen Sieben und die Antwort, wie sie denn nun Aussieht, die neue Show. Man konnte sprichwörtlich die Spannung fühlen. Das Kribbeln, das Adrenalin, der angehaltene Atem, alles war da und als Bodenski, Ingo, Frau Schmitt, Simon, Sugar und David mit mindestens ebenso weichen Knien die Bühne enterten und mit „Geist des Kriegers“ die Show begannen, brach die gesamte Anspannung in einem einzigen erleichterten Jubel heraus. Unter den donnernden Riffs aus Ingos Gitarre und Davids peitschendem Drumming zeigte sich dann, was bisher verborgen geblieben war: ein riesenhaftes, glühendes Engelskrieger-Symbol, umgeben von einem Lichterkranz, das nun im Hintergrund hochgezogen wurde, während beinahe unbemerkt ein Schatten die Treppe hinaufhuschte. Dann folgte ein Break, ein Schlag, das Licht Flammte auf und nun stand er da: ERIC!

Wie ein Herrscher thronte er auf dem Podest und waltete unverzüglich seines Amtes. „Gebenedeite Dunkelheit, die Nacht ist klar und heilig...“ kaum waren diese Worte stand ein ganzer Saal mit offenem Mund da. Was für ein Auftritt! Getrieben von der Wucht des neuen StS-Sounds hielt die Andacht jedoch nicht lange an. Ohne Umschweife wurde zügig drauflosgefeiert und signalisiert dass man nur zu einem Zweck hier war: Eine geile Party zu haben. Gleiches galt wiederum für Eric, dessen Verlangen, den Fans ganz nah zu sein, ihn schon bald von seinem Podest herunter trieb.

Mit eiligen Schritten kam er schwungvoll die Stufen der Podesttreppe heruntersaust und segelte im Sinkflug auf seinen Mikroständer zu, an dem er jedoch ungewollt eine satte Bruchlandung hinlegte. Mit reichlich Schmackes räumte er sowohl den Mikroständer als auch einen vor ihm aufgebauten Strahler ab. Das ganze ging so blitzschnell, dass Ingo, David, Sugar und Simon nicht mal die Zeit hatten sich zu verspielen. Stattdessen machten die Vier ohne Aussetzer weiter, während Frau Schmitt einen entsetzten Blick auf Eric warf und Bodenski dem gefallenen Engelskrieger helfend zur Seite eilte. Dieser hatte sich inzwischen jedoch wieder berappelt und drosch nun den Bühnenstrahler (gegen den er wohl mit dem Kopf geprallt war) demonstrativ auf den Boden. Mit einem gehörigen Maß an Wut im Bauch griff er dann wieder ins Geschehen ein und ließ sich zunächst nichts weiter anmerken. Spätestens als ihm kurz darauf der Mikrofonständer noch einmal aus den Händen glitt war aber klar: Hier brodelt ein Vulkan und der will heute noch Explodieren, kostete es was es wolle. Glücklicherweise boten sich mit „Unsterblich“ und „Knochenschiff“ gleich zwei bewegungstherapeutische Überdruckventile zum Frustabbau an, die im Handstreich das Publikum in einen Zustand angehenden Wohlbefindens versetzte.

Wer nun aber auf den großen Knalleffekt wartete, musste sich noch bis zur Ansage von „Mephisto“ gedulden, die Eric zum Anlass nahm, sich mal etwas eingehender um die Beziehung Band/Publikum zu kümmern. Mit der Aufforderung ihm eine altbekannte Bewegung (Hüpfen) nachzumachen und dem alles erschütternden „Subway-Kampf-Schrei“ trieb er uns an wie kein Zweiter, während die Sechs im Hintergrund begannen den musikalisch Treibstoff für gute Laune in den Tank zu füllen. „Mephisto“ und „Die Schlacht“ entwickelten sich folglich zu echten Krachern und auch die thematisch schwer verdaulichen Nummern „2000 Meilen unterm Meer“ sowie „Narben“ wurden mit lauter Kehle mitgesungen

Nach dieser ersten sportlichen Herausforderung und den vorwiegend harten Metalklängen, war nun die Zeit reif für etwas mittelalterliche Romantik. Drummer David (heute übrigens nicht mehr mit zotteliger Jesusmähne, sondern als silbergrauer Seebär anwesend) gesellte sich dabei mit einer Trommel zu seinen Kollegen ins grüne Rampenlicht und gab dort nach einer artistischen Fingerübung den Takt für „Minne“ an. Die anschließende Liebeshymne „Verloren“ rückte wiederum die Bühnenkonstruktion in den Mittelpunkt: Waren bisher vor allem Simon und Bodenski häufig auf das Podest gekraxelt um im gleißenden Licht des „Engelskriegers“ eine gute Figur zu machen, postierten sich jetzt Eric und Frau Schmitt an den gegenüberliegenden Seiten der Treppe. Damit verliehen sie der krankhaften Liebesgeschichte durch räumliche Trennung optischen Ausdruck zu verleihen. Doch die romantische Atmosphäre währte nicht lange.

„Genug der Pause...Rock´n´Roll“ wie ein Peitschenhieb schallte es aus Erics Mund und schon ging wieder buchstäblich die Luzie ab. Ob „Kleine Schwester“, „Kleid aus Rosen“, „Henkersbraut“ oder das Opfer, wer in diesem Moment im Auge des Sturms, sprich mitten vor der Bühne stand, hatte nichts mehr zu lachen: Ein einziger singender, springender Pogomob verwandelte die Factory in einen Hexenkessel, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Autoscooter pur mit der Lizenz zum Abfeiern!

Begleitet wurde das launige Spektakel von technischen Spielereien, wie einm drehenden Zahnrad am Engelskrieger-Symbol und imposanter Beleuchtung. Mal glutrot, mal feurig, mal kalt wie Eis wirkte selten eine Lightshow so überzeugend. Natürlich durften da auch nicht die kalten Feuer bei „Herrin des Feuers“ fehlen. Je länger die Show dauerte um so intensiver wurde das Erlebnis, was nicht zuletzt an Eric lag, der seinen anfänglichen Fauxpas unlängst zu den Akten gelegt hatte und nun voll in seinem Element war. Der „menschliche Flummi“ (wie er von manchen auch bezeichnet wird), legte einen unglaublichen Aktionsradius an den Tag und gab unentwegt Gas: Rauf aufs Podest, runter vom Podest, hin, her auf, nieder, ab ins Publikum und vor die Füße von Frau Schmitt. Sir Fish war immer in Bewegung. Das Ganze führte gar so weit, dass alle anderen Bandmitglieder zeitweise freiwillig das „Erdgeschoss“ der Bühne räumten, um vor dem wirbelnden Metersechzig in Deckung zu gehen.

Im großen und Ganzen lief die Show somit in geregelten Bahnen und niemand hätte etwas böses vermutet, bis „Ohne Liebe“ auf dem Programm stand. Völlig untypisch für das sonst so eingespielte Subway Team kam es seitens Ingo und Bodenski zum großen Blackout. Wo der Eine zu früh einsetzte und kurzerhand wieder abbrach, schaute der Andere nur verdutzt drein und schien einen kompletten Filmriss erlitten zu haben. Damit boten die beiden nun Eric die Chance zum verbalen Elfmeter, den dieser auch eiskalt verwandelte. „Alles braucht seine Zeit“ lautete sein leicht ironischer Kommentar von der Seite welcher die missliche Situation ein wenigzu überspielen verstand..

Als alle Beteiligten ihre Finger wieder sortiert hatten, stand dem Endspurt des Konzerts nichts mehr im Wege. „Ohne Liebe“ gestaltete sich nun unfallfrei, „Falscher Heiland“, (Subways Kommentar zu verlogenen Politikern) wurde zum wahren Abräumer und „Veitstanz“ brachte die Factory an den Rand des Einsturzes. Ein einziges singendes, hüpfendes, Menschenmeer gab sich dem Rausch der Sinne hin. In entsprechend bedröppelte Minen konnte man blicken, als sich StS schon nach knapp 90 Minuten zum ersten Mal verabschiedeten. StS wären aber nicht StS wenn sie nicht mindestens noch ein weiteres Mal die Bühne erklimmen würden und so verstrichen nur einige wenige Sekunden, bis das Septtett wieder vollzählig angetreten war, um jetzt mit zwei musikalischen Überraschungen Aufzutrumpfen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr wurden nun zwei Stücke im neuen Gewand des Engelskriegers präsentiert. Den Anfang machte Kruzifix. Fast gänzlich ohne die bekannten Folkelemente auskommend donnerte der Song gewaltig aus den Boxen. Das zweite Stück „Wenn Engel Hassen“ schlug in die selbe Kerbe. Ohne das ruhige Intro rollte sogleich eine tonnenschwere Gitarrenlawine talwärts die alles mitnahm was sich ihr in den Weg stellte. Schwungvolle Rhythmik und schmissig eingeflochtene Choral-Elemente machten aus dem einstigen Mercedes unter den Subway-Songs einen waschechten Bulldozer. Beste Vorraussetzungen also um ein weiteres mal die Stimmungskurve nach oben zu schrauben und so richtig abzuledern. Selbiges tat dann auch Bassist Sugar, der schon den ganzen Abend moshend auf seinem Posten gestanden war und jetzt vollends zum bangenden Wollknäuel mutierte. (Da sag noch mal einer Basser wären träge ;-)).

Das letzte Stück des Abend, dargeboten nach einer weiteren Zugabenpause, war „Abendland“, für dessen Präsentation sich StS noch ein Schmankerl ausgedacht hatten. Während Eric sich hinten auf dem Podest verschanzte, wurde David samt Schlagzeug auf einem Sockel nach vorne gefahren. Eingerahmt von Ingo und Sugar setzte er mit donnernden Double-Bass-Attacken zum finalen Aufgalopp an und beschloss den munteren Reigen nach grob geschätzten zwei Stunden.

Zurück blieb eine begeisterte Menge, die sich trotz des neuen Materials und kleinerer Pannen seitens der Band wunderbar unterhalten fühlte. So muss man sagen, dass es in der Vergangenheit bereits bessere Konzerte der Potsdamer Sieben gegeben hatte, doch angesichts der vielen neuen Show-Elemente konnten sich StS auch an diesem Abend mehr als achtbar aus der Affäre ziehen. Bestens gelaunt aber völlig fertig gebe ich mit diesen Worten zurück ins Funkhaus.

Bis zum nächsten Mal in Hannover,

euer Ritti

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