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2003 - Mainz
Veröffentlicht am 06.04.2003 von Dunkel | Aufrufe: 154
06.04.2003 - Subway to Sally – Mainz Eltzer Hof

Nun, da war also endlich der Tag gekommen, an dem es mir in diesem Jahr zum zweiten Mal gegönnt war, denn Klängen dieser Ausnahmeband live-haftig zu lauschen. Wohl wissend, was mich erwartet, war die Vorfreude anders als in Losheim, aber dennoch nicht geringer. Nachdem alle Mitstreiter eingesammelt, beim - auch von der Band rege besuchten - „gelben M“ die letzen Reserven an Kaffee und Nahrung aufgefüllt waren, der unnötige Ballast im Auto verstaut, geht es also los Richtung Eltzer Hof. Hätte da nicht der Nightliner vor der Tür gestanden, und nicht die, zu der Zeit noch recht überschaubare Menge an dunklen Gestalten, wäre mir wohl nie in den Sinn gekommen, dass sich ausgerechnet hinter den Türen dieses alten Gebäudes heute Abend die Engelskrieger freudetaumelnd tummeln würden. Innen angekommen, sieht es dann schon mehr nach einem konzertfähigen Ort aus, ich tippe in den späten 60ern entkernt, und in bester prä-psychedelischer Manier wieder neu eingerichtet. Ich sag nur: weiße Plastikschalen-Sitze mit roten Sitzpolstern…uuuhhh. Im recht großen Foyer führt der Weg erst mal zum Merchandising, man erkennt den neuen Anhänger, und ein Zippo, doch der Geiz lässt uns unverrichteter Dinge wieder abziehen. Die Stierkopf-Aufkleber sind vergriffen, was meinem Auto später eine kleine Träne in den Frontscheinwerfer trieb, als ich es ihm schonend beibrachte ;-) Der eigentliche Konzertsaal entpuppt sich als überschaubar, eine seltsam mehreckige Form, fast rund, mit ar…glattem Parkettboden. Auch hier gibt’s nen Balkon, der aber, wie sich später rausstellt, nicht fürs gemeine Volk geöffnet war, was auch sicher niemand wirklich leid tut. Ein Blick zur Bühne lässt kommende Schimpftiraden im Sally-Tourtagebuch erahnen… die Breite schien echt okay zu sein, aber lass das Ding mal höchstens 3 Meter tief gewesen sein. Es ergab sich, dass Eric etwa 10cm vor dem vorderen Ende stand, und sein Mikroständer sollte mehr als einmal einen armen Kerl in der ersten Reihe ereilen *gg*. Nun gut, erst mal einen gemütlichen Sitzplatz auf dem Boden in der Mitte eingenommen, und der Dinge die da kommen geharrt. Die Stimmung ist erstaunlich ruhig, was ich von Losheim ganz anders in Erinnerung habe. Es wirkt fast etwas verschlafen, was sich aber später nicht bewahrheiten soll. Dennoch passiert nicht viel, und es geht grade mal ein erstauntes Raunen durch den Saal, als plötzlich die Lichter ausgingen, als ob damit niemand gerechnet hat. Allgemeiner Aufsteh-Stress, und Pinkostar betreten die Bühne, allmählich pendelt sich so was wie Applaus ein. Zum Job von Pinkostar kann ich sagen: Gut! Es ist immer schwierig für ne Vorband, die wenigsten Leute kennen die Lieder, geschweige denn die Texte, und der Stil ist auch nicht grade der, den der StS-Fan sonst so bevorzugt. Trotzdem geben die Jungs wirklich alles, man sieht, dass sie Spaß am spielen haben, und bei den letzten 2-3 Nummern kam sogar so was wie ne gute Stimmung auf Bereits nach 3 oder 4 Songs der Pinkos meinten dann einige wenige, den ersten Julia-Chor des Abends zu starten, meiner Meinung nach zu früh, und nicht gerecht, Pinkos Sänger nahm es gelassen, und sang sogar kurz mit *g* Der letzte Song endet in einem Nirvana-esquen Soundbrei, für mich persönlich immer wieder ne Freude zu hören wie Laut es doch ist, wenn 4 Leute einfach ein bisschen halbkontrollierten Krach machen. Licht an, und allgemeiner, langsamer und gesitteter Vormarsch. Wir wissen ja was jetzt kommt, und natürlich wollen wir davon auch was sehn. Wir beenden das ganze in Reihe 7 oder 8 vor der Bühne, in Fluchtlinie zu Bodenski, und sind durchaus glücklich mit den Plätzen. Die Julia-Gesänge werden lauter, aber der Saal macht immer noch einen mäßig begeisterten Eindruck. Ca. 15 Minuten später löscht das Licht, und ich bin erstaunt, was der Saal plötzlich innerhalb von Sekunden an Energie gewinnt, aber das soll noch nicht alles gewesen sein… Ich möchte das was nun folgt etwa so beschreiben: Gebenedeite Dunkelheit, klare heilige Nacht, es fügt sich eilig(hoffentlich nicht zu eilig) und der GEIST DES KRIEGERS erwacht und schwebt durch die Halle. Wir haben die Macht und wer jetzt noch nicht weiß, warum die Passion für die Sallys UNSTERBLICH ist, der muss taubstumm und blind sein. In unsrer aller Augen spiegelt sich die Ewigkeit, und schon geht die Reise weiter, ab aufs nächste Riff. Die ersten Narben zieren die Bäuche, offne Wunden sehe ich zum Glück aber nicht. Eric prüft unsre Textsicherheit, und wir schmettern ihm ein tosendes KNOCHENSCHIFF an den Kopf, hätte er noch Haare, sie wären ihm wohl grade böse nach hinten geweht. Vom Mittelpunkt des Geschehens, durch die 7. Reihe, springen wir um uns zu freuen….und stehen nach MEPHISTO von uns allen unbemerkt etwa 5 Meter weiter hinten *g* Scheißegal denke ich, und versuche dabei etwas Luft zu bekommen, die mittlerweile schon ziemlich knapp wird. Auf in DIE nächste SCHLACHT. Manchmal, denk ich, muss man um zu siegen nur sich selbst im Kampf bezwingen, das tu ich dann auch, tanze fröhlich weiter, singe, schreie und ergeb mich dieser Nacht. Ich versinke, ich ertrinke geradezu im Rausch der Musik, weiß genau, die 7 sind gekommen uns alle zu erlösen, keine Zweifel mehr unten auf dem Grund der Halle, jeder ist nun dort, wo es ganz und gar nicht still ist.2000 MEILEN UNTERM MEER vergraben wir alle unsren Alltag, und lauschen Erics Gesang. Er hat einen redseligen Abend und seine Ansagen sind heute voller Stilblüten, Siegmund Freud hätte heute eine wahre Freude an ihm gehabt ;-). Erste Anzeichen von Schmerz durchströmen meinen Nacken, aber was soll’s, wird trotzdem fröhlich weiter gebangt. Jede Faser ist gestimmt, und ich hör die drei da oben singen, was dann auch gleich die Last mir nimmt. Das Licht so rot, der Klang so rein, die Zeit lässt mich vergessen nicht, das hier zu sehn, ist wunderschön, das zu sehn tröstet mich, und lässt alle NARBEN, die man so auf dem Herzen hat, für kurze Zeit verblassen. Was für ein Feuerwerk, Zeit sich zu erholen, ich verfluche jetzt schon jede volle Stunde, denn nach etwas mehr als zweien, wird der Taumel schon vorbei sein. Schweißtropfen brennen heiß in meinen Augen, was ist hier nur geschehn, so was hab ich nie gesehn. Die Erholung verschafft uns MINNE, und was wär es doch jetzt schön, irgendwo zu liegen, die Stirn an einem schlanken Hals zu kühlen und jemandem das Schossgesträuch zu zerzausen. Ich lasse zwischenzeitlich mal meinen Atem über meine Haut wehen, um mich etwas abzukühlen, und bin immer noch VERLOREN an diese super Stimmung und an die tolle Musik. Bodenskis Arme breiten sich immer wieder aus, als wolle er fliegen, Freund, hier unten tun wir das alle schon seit geraumer Zeit. Aber die 7 haben Spaß da oben, das sieht man heute deutlich, keine Last auf den Schultern, kein angestrengtes Lachen, kein grau in den Augen. Die stimmen zittern nicht, „Komm zu mir!“ singt Eric, und jeder würde ihm wohl bedingungslos folgen in diesen Minuten. Doch so hilflos, still und leise sind wir auch nicht grade, und stehen im Licht, doch brennen tut es, und zwar vor Leidenschaft. Hätte ich ne KLEINE SCHWESTER, hätte ich sie heute sicher mitgewollt. Sie wäre sicher ein gutes Mädchen, vernarrt in die Sallys, würde auf Knien ausharren, bis ich nicht mehr widerstehen kann und sie mitnehme. Im Moment denk ich grade drüber nach, wie Frau Schmitt wohl in einem KLEID AUSROSEN aussieht, sicherlich nicht minder unwiderstehlich als jetzt grade auch. Da wachsen gar unbekannte Schmerzen in nem jungen Männerherzen. Na ja mehr zu dem Thema wird ich wohl nie erfahren, also sieht man mich weiter lustig in der Menge stehn. Immer noch singend, tanzend, schreiend, springend und schwitzend, vor allem letzteres *g*. Ein weiteres Highlight kommt auf uns zu, hoch gehüpft, die Augen weit, ein Song von wahrer Herrlichkeit, die Gästeschar in Ausgelassenheit, springt hin und her und lacht und schreit. Die HENKERSBRAUT fönt uns alle nieder, und sorgt erneut für Blut, Schweiß und Tränen. DAS OPFER, das wir alle bringen, indem wir uns heute hierher gekämpft haben, war klein im Gegensatz zu dem, was wir hier zurückbekommen. Morgen wird dem Meister auf der Arbeit aber nix verraten ;-), der kann ruhig auch mal was schaffen, und da brauch er uns gar nicht so traurig anzusehen. Na ja, über die Brücke geh ich mal noch nicht *g* Auf dem Parkett, die Menge, mittlerweile fast schon wie Tiere, schreien mit heiserer Kehle nach mehr, wir halten Ausschau nach Beute für unsre Ohren, die Hände im Anschlag, bereit die Stille zwischen den Liedern erneut zu zerfetzen, und alles auf den Kissen dieser Nacht zurückzulassen. Dann wird zusammen der WOLFSTRAUM geträumt, und nur fern wird jemand, der die Sallys nicht kennt, erfahren, was das heißt. Die nächsten 6-7 Minuten dürfte wohl jeder besonders genießen, denn es steht an in Flammen aufzugehen, zu brennen, und in Rauch und Asche unterzugehen. Die Effekte mit den hochgeblasenen Stoffröhren begeistern mich immer wieder neu, und in rotem Licht sehen die Bühne und die Akteure auf selbiger einfach toll aus. Der Saal wiegt sich in Flöten- und Geigenklängen, Läuterung, Reinheit, unstillbare Gier, lichterloh brennen, niemals will ich damit aufhören. Ein Blick (!) zur HERRIN DES FEUERS und ich bin wieder mal in Rauch und Asche zerlegt, in tausend Funken aufgelöst und brennend untergegangen. Die kleinen süßen Tode eines Sally-Konzerts eben ;-) Um das ganze noch zu bestärken, kann es nicht schaden einen LIEBESZAUBER hinterher zu schicken, und dort wo gar nichts wachsen sollte, nämlich auf besagtem a…glatten Parkettboden, wächst die Begeisterung immer noch ins unermessliche. Abra Kadabra: wir sind gefangen, und nutzen diesen kleinen Moment der Stille nach dem Zauber dazu, der Verzauberung kund zu tun, die uns erschlichen hat. So kommt es dann zum ersten ernstzunehmenden Teil von „Julia gegen den Rest der Welt oder Verdammt seid ihr so gut!“. An dieser Stelle sei von mir gesagt, Entschuldigung liebe Sallys, kommt aber wahrscheinlich wieder vor. Es geschieht etwa folgendes: Ein Bursche war, der Sallys mag, der schnappt nach Luft und schreit. Ein zweiter kommt, der stimmt mit ein, da warn sie schon zu zweit. Ein dritter und ein vierter kommt, auch Frauen zieren sich nicht. Das Lächeln kriecht ganz langsam schon, den Sallys vom Gesicht. Wir ham euch verwirrt, voller Liebe euch gestört. Die Masse wird gleich lauter dann, die Räuber sind erwacht, Bodenskis Mund verfinstert sich, gleich sagt er uns gut Nacht. Als der Saal nicht aufhörn will, da tut es richtig weh, die Freude wiegt uns alle auf, vom Scheitel bis zum Zeh. Wir ham euch verwirrt, voller Liebe euch gestört. In diesem Sinne ebbt’s nicht ab, gefroren ganz und gar, schaut ihr uns von da oben an, grau wird fast Erics Haar. Geduldgeprüft verzeiht ihr uns, es war ja gut gemeint, bald stockt das Blut auch uns im Hals, wir sind wieder vereint. (und anschließend…endlich und doch noch) Ihr habt uns berührt, OHNE LIEBE uns verführt… Die nächsten Minuten verbringen wir mit beten, Bilder aufhängen im ganzen Land und ähnlichen Dingen, wie ein FALSCHER HEILAND sieht Eric da oben gar nicht aus, aber der richtige kann er doch auch nicht sein, oder? Na ja manchmal *g*. Genug ist es uns noch lange nicht, obwohl wir grade lauthals so was von uns geben, aber ich kenne so manchen, bei dem ich mir vorgenommen hab einmal auf sein Grab zu pinkeln, die Rache wird unser sein, hehe, in diesem Sinne, Hallejulia….ups ;-) Ein letzter Tanz ereilt uns noch, es ist angesagt zu springen, zu tanzen, sich um sich zu dehn, um den Nebenmann im VEITSTANZ springen. Alles dreht sich, und wir tanzen. Und das dritte, was es gibt, das wird uns jetzt spätestens klar, das ist genau das was wir grade tun. Die Bühne versinkt im Farbenmeer, halb verdurstet, halb verloren stehn wir da, die Sieben nicht mehr findend, dabei fluchend. Wieder schwappt das Blut, Blut durch den Raum (nein ich stottere nicht!), und Männer und Frau lassen nicht lange auf sich warten. Svbway Jahrtausende dort oben, und wir hier unten, das wäre wohl was, die Arme sind schon fast steif, die Köpfe auch müde, doch keineswegs haben wir schon ausgerungen, und feiern immer noch. KRUZIFIX, denk ich, fangt doch noch mal von vorne an, wir haben doch morgen alle nix vor, aber wir haben uns weiß Gott fürwahr nun lang genug geschunden, oder? Was Eric mit dem herabspringen meint, wird sich in wenigen Minuten zeigen… In der schon in Losheim für seltsam befundenen kalten, schwarzen Stahlhärte, bricht das nächste dunkle Lied über uns herein. Die dunklen Vögel fliegen durch den Raum, es wird wieder kräftig gebrüllt, und wer mich kennt, würde sagen, dass es seltsam ist, denn glücklicher hat man mich nie gesehn. WENN ENGEL HASSEN , werden sie dann zu Engelskriegern? Mit dieser Frage erneut allein gelassen, stellen wir schon wieder den Galgen auf, und die beste Party, die heute Nacht im ganzen ABENDLANDsteigt, neigt sich dem tatsächlichen Ende zu, und das für so wenig Silbergeld! Die Völker sind müde geworden, von süßen Gesängen betört, und nichts davon verklang ungehört. Langsam dreht das Rad noch, und es bewegt Davids Drumset nach vorne. Er, Ingo und Sugar, sicher auch müde von der großen Tat, lassen einen letzten Sturm über uns wehen. Bald wird es vorüber sein, doch da! Der Prophet kehrt zurück, und im freien Fall, liegt er plötzlich auf den Armen der ersten vier Reihen. Wir jubeln und wollen mehr, aber Eric denkt sich wohl, Unheil lauert überall, und wagt sich nicht weiter vom sicheren Hafen weg ;-). Verbeugungen, winkende Hände, jubelnde glückliche Menschenmeute… Ende! Ha! Nicht doch! Da waren doch noch das kleine Mädchen und die großen bösen Jungs! Richtig, nun zum letzten Teil unsres beliebten Mehrteilers „JULIA UND DIE RÄUBER oder Am Ende gewinnen wir ja doch!“ Jeder, sowohl auf der Bühne, als auch davor, investiert seine allerletzten Reserven ins Blut-Saufen, ein letztes wildes Zappeln, ein letztes Krächzen aus den müden Kehlen, ein allerletzter Gruß…. DANKE euch für diesen tollen Abend! Die Lichter sind mittlerweile wieder angegangen, und obwohl ich so was hasse, müssen wir aus verschiedenen Gründen relativ sofort los, das chillen muss heute wohl ausfallen. Auf dem Weg zum Auto ist noch jeder verzückt, wir diskutieren den Abend, erinnern uns an die kleinen Dinge, und die großen. Es is mittlerweile saukalt draußen, und in einem durch und durch nassen T-Shirt is das kein Spaß, das kann ich euch sagen. Wir kommen zu dem Schluss, dass es nur 2 Arten von Sally-Konzerten gibt, die guten und die besseren *g*. Dieses gehört definitiv zur zweiten Kategorie, doch genug der Schwärmerei, wer diese Tour eines besucht hat, der weiß wovon ich rede, und alle andren kann ich nur fragen: Wer will sich das entgehen lassen, nachdem er das hier gelesen hat? Zweieinhalb Stunden später etwa liege ich im Bett und in meinem Kopf summt treibt immer noch der Geist des Kriegers sein Unwesen, ich mache bereits die Pläne für den nächsten Feldzug in eine Konzerthalle, nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Was mir nicht oft passiert, ich schlafe mit einem Lächeln ein… Gute Nacht Freunde, mögen die Sallys nie damit aufhören Musik zu machen und uns die Seele aus dem Leib zu rocken!

© 2003 Dunkel

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