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2004 - Magdeburg
Veröffentlicht am 18.11.2004 von Ritti | Aufrufe: 158
18.11.2004 - Subway to Sally, de 'facto – Magdeburg Factory

Heute mal wieder auf den folkmetallischen Spuren von Subway to Sally, welche sich nach 18monatiger Abstinenz und einem bislang recht überschaubaren Tourplan 2004 wieder in der Magdeburger Factory eingenistet hatten, um mit ihren Fans eins stimmungsvolles Wiedersehen zu feiern.

Da es sich in diesem Fall nicht um eine geschlossene Tournee sondern vielmehr um eines von mehreren Einzelkonzerten handelte, standen für die Gestaltung des Abends alle Möglichkeiten offen. Was die Sieben letztlich daraus machten und was sonst noch so geschah, will ich euch in den folgenden Zeilen berichten:

Als ich gegen 19:40 mit meinem Ritti-Mobil auf den Parkplatz der Factory rollte, herrschte bei mir nicht gerade Partylaune. Latentes Sauwetter, ein Unfallstau auf der Autobahn und die damit einhergehenede Verspätung von knapp einer dreiviertel Stunde hatten meinen Enthusiasmus gegenüber der Veranstaltung reichlich in den Keller gezogen. Etwas muffelig stapfte ich daher in Richtung des wie leergefegt erscheinenden Eingangsbereiches um wie üblich in den Club einzuchecken.

Beschlagenen Brillengläsern sei dank taumelte ich dann im Blindflug in Richtung Saal, bis ein heller Fleck zu meiner linken verriet, dass sich Merchandise-Man Rainer heute samt seinem Bauchlädchen ausserhalb der Beschallungszone platziert hatte. Ein kurzer Blick auf die Auslagen offenbarte indes Wundersames: Neben all den Fanartikeln und der neu hinzu gekommenen Eric Fish-CD, befand sich auch ein Stapel Kärtchen mit der Aufschrift Fanway to Sally auf dem Tisch, womit die Band ihrem Fanclub die Gelegenheit einräumte, sich dem breiten Konzertpublikum vorzustellen. Eine feine Sache, wie ich finde!

Da die Zeit aber inzwischen drängte und der Konzertebeginn unmittelbar bevor stand, schlüpfte ich hastigen Schrittes durch die Zuschauerreihen in Richtung Bühne, wo zu meiner großen Überraschung noch ein mittleres Logenplätzchen zu haben war. Und wie das Leben immer so spielt, kaum hatte ich mich eingereiht, war auch das Kribbeln endlich da, welches einen guten Konzertabend ausmacht. Gemeinsam mit einigen hundert Anwesenden richtete ich daher erwartungsfroh meinen Blick in Richtung Schaukasten und wartete auf das erscheinen der Vorband.

Wie bei Einzelkonzerten und kleinen Tourneen oftmals üblich, hatten auch Subway to Sally heute keinen eigenen Support im Schlepptau. Stattdessen durfte sich die Magdeburger Band "de´facto" in der Openerrolle beweisen und versuchen das nicht immer pflegeleichte Subway-Publikum aus der Reserve zu locken.

Obwohl sich in der Vergangenheit schon so manch hoffnungsvolle Kapelle (wie Zombie Joe, EverEve oder die finnischen Kult-Metaller von Waltari) an den Sallyfans die Zähne ausgebissen hatte, ließen sich die Lokalmatadoren nicht Bange machen und vertrauten auf Ihr Heimpublikum, welches denn 4 Musikern durch lautstarke Anfeuerungsrufe wunderbar den Rücken frei hielt.

Doch auch sonst gab es kaum Grund zur Klage: Mit ihrem deutschrockigen Songwerk passten de´facto gut ins Vorprogramm von Subway to Sally. Ruhige Passagen wechselten sich mit strammen Gitarrenriffs ab und impften dem Geschehen zusätzlich einen angenehmen Schuss metallischer Härte ein. Besonders treffend wirkte vor allem der Song "Des Teufels Braut", welcher mit seiner ins altertümliche driftenden Wortwahl auch ohne Dudelsack und Schalmei gewisse Parallelen zur Subway´schen Spielart nicht von der Hand weisen konnte.

Zwar blieb den 4 Musikern nur etwa eine halbe Stunde, um sich dem Publikum zu präsentieren, doch wenn man nach den Reaktionen im Saal ging, durfte man durchaus von einem Erfolg sprechen, denn von dem üblichen "wir wollen jetzt Subway sehen"-Getue war nichts zu erkennen! Stattdessen klatschte man eifrig Beifall, bejubelte die neu gewonnenen Helden und freute sich über Highlights wie das besagte "Teufelsweib" den Abschlusstitel "Geh von dir" oder Sänger Christofs witziges Onstage-Luftgitarrenspiel aus der Joe Cocker Gedächtnis-Edition. Alles in Allem wars wirklich eine runde Sache!

Übrigens, wenn ihr mehr über die Band erfahren möchtet, findet ihr unter www.defacto-music.de alle notwendigen Infos und einigen Hörproben! Reinschauen lohnt sich! :)

In Magdeburg gingen indes die Umbauarbeiten für den Subway Gig von statten. Neben Mel, Uwe und Toshi als Crew-Urgesteine an der Front mischten sich einige, dem Insider weniger bekannte Gesichter ins Geschehen, bei denen auch ich mich fragte: Hast du die schonmal gesehen? Wie dem auch sei, rein vom Gefühl her zog sich die Umbaupause heute wie Kaugummi. Fast eine halbe Stunde gefühlte Zeit verstrich bis die Fans das erste mal vom abblendenden Scheinwerferlicht in einen Jubelsturm versetzt wurden. Allerdings mit der Betonung auf "versetzt"! Weitere endlose Minuten zogen ins Land, bis plötzlich Backliner Uwe aus dem Hintergrund auftauchte und mit beinahe ironischer Lässigkeit eine von Ingos Gitarren in die Hand nahm. Da das Publikum Uwe anscheinend für ein Mitglied der Band hielt, brandete erneut Jubel aus. Dabei wollte der Backliner doch nur nochmal das Instrument checken! *grins*

Nach dieser Finte schlug gegen 9 Uhr endlich die Stunde der Wahrheit: Für Subway-Verhältnisse relativ unspektakulär, erschien die Band auf der Bühne. Ein Intro im herkömmlichen Sinne gab es nicht, stattdessen schraubten sich unvermittelt die ersten Klänge einer längst vergessenen Melodei hoch, die erst leise, dann immer eindringlicher die Rückkehr der legendären "Hexe" verkündeten. Und gerade als die Menge erkannte wie ihr geschah, passierte es: Ein Rums ein Knall, die Pyros schossen aus vollen Rohren und mit aufgeblendeten Scheinwerfern schleuderte ein nicht minder lautstarker Begrüßungs-"schrei" der Bühne entgegen. Und da die Menge in der Factory gerade so schön "Brennen Brennen, Sie Soll Brennen" skandierte, hielt Eric mit seinen Emotionen nicht lange hinterm Berg. "Wir haben so einen Bock hier heute zu spielen", platzte es aus ihm heraus und die nächsten 20 Minuten belegten das eindrucksvoll: Turbo-Eric flitzte dank aufgeladenem Akku wie ein Duracell-Hase umher, Frau Schmitt strahlte erstmals seit langem bis über beide Ohren in jede Kamera, die grade auf sie gerichtet wurde und Eisendraht Ingo Hampf entledigte sich gleich mal seiner Herren-Oberbekleidung, um nicht selten an vorderster Front den Fans seine Fingerfertigkeiten unter Beweis zu stellen.

Abgesehen vom furiosen Start gab es von diesem Konzert jedoch nicht sehr viel neues zu berichten. Das Set war nahezu identisch mit dem der Oster-Tour (siehe Bericht aus Hameln) und begeisterte das Publikum vor allem mit den Abräumern "Veitstanz", "Mephisto", "Henkersbraut" oder "Sabbat" sowie den reaktivierten Klassikern "Haughs of Cromdale", "Herbstzeit" und dem Vokalstück "Allé Psallitae Cum Luya". Die aktuelle Platte Engelskrieger trat indes noch weiter in den Hintergrund, wobei, wenn ich mich recht entsinne, diesmal neben "Wolfstraum" und dem schwierigen "Narben" nun auch der "Geist der Kriegers" über die Wupper ging. Der Stimmung indes tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil! Das Publikum ging zünftig, wenn auch nicht mit letzter Entschlossenheit, mit und freute sich diebisch über die Auferstehung der ollen Kamellen!

Neben dem musikalischen Aspekt eines jeden Subway-Konzertes soll auch der Show-Part nicht unerwähnt bleiben: In dieser Hinsicht setzten Subway ebenfalls auf Bewährtes. So wurde der "Schrei" ausgiebig mit dem recht jungen Publikum erst einstudiert und später zelebriert, Bodenski und Simon fackelten mit ihren Flammenhandschuhen wieder fast die Bude ab und Eric verdingte sich als Feuerteufel mit eingebautem Flugschein.

Allerdings meinten es die Fans heute nicht gerade gut mit ihm. Seine Vielfliegermeilen restlos aufgebraucht, gabs in Magdeburg für Eric keinen Kredit. Kaum hatte er seine Reise in die Untiefen der Factory-Halle angetreten, wurde er auf direktem Wege zurück in Richtung Graben geschoben, was vorne in den ersten Reihen für leichte Verwirrung sorgte. Nunja, stellt euch einfach mal vor Michael Schumacher kommt zum Reifenwechsel in die Box und die Mechaniker sind nicht da ;). Mit vereinten Kräften konnte wir dann wenigstens verhindern, dass aus Fish-Airlines ein Geier Sturzflug wurde und so gabs am Ende doch noch ein Happy End. (Mal abgesehen davon, dass ich Erics Stiefel an die Rübe bekam.)

Etwas unspektakulär empfand ich heute die humorige Seite der Subway-Show. Hatte man in Hameln das Konzert um Haaresbreite zur Theaterkomödie ausarten lassen, gab es heute nicht viel zu Lachen. Eric beschränkte sich auf trockene Ansagen und Schreiaufrufe, Simon als Flankengeber hielt sich bis zur Zugabe zurück und auch Bodenski benötigte eine Anlaufzeit bis zum "Falschen Heiland", als er mit einem bedeutenden Fingerzeig gekonnt den gerade wiedergewählten George W. Bush aufs Korn nahm.

Mit der Zugabe brach zum Glück das Schweigen: Während die Fans "Blut, Blut, Räuber Saufen Blut" krakehlten, stellte sich Bodenski trotzig auf die Bühne und meinte furztrocken: "das geht alles von eurer Zeit ab!. Tja und dann gings los! Die Fans sangen und sangen und Bodenski tat so als würde es ihm zuviel. "OK wir gehen jetzt" meinte er und drehte sich um in Richtung Ausgang. Das konnte man so natürlich nicht stehen lassen!! Unversehends sprang Eric in den Bühnengraben erhob die Hände und forderte klatschend eine Zugabe. Bodi sah dies und drehte sich erneut um. Was folgte war eine Entscheidung, so demokratisch wie die DDR: Mit 95 % der Stimmen entschied das nichtsozialistische Einheitspublikum Magdeburgs sich für eine Fortsetzung des Gigs, bevor Oppositionsführer Simon mit seiner Frage nach dem "Warum?" mit einem klassischen "SCHREI"-Attacke mundtot gemacht wurde.

Knappe 20 Minuten lang gab es danach noch Subway to Sally pur zu erleben, bis das "Abendlied" den Vorhang eines guten, wenn auch nicht bahnbrechenden Subway to Sally Konzertes zuzog und die sonst im Hintergrund agierenden David und Sugar Ray sich ihr wohlverdientes Bad in der Menge abholten.

Da das heutige Konzert, für Factory-Verhältnisse ungewohnt, mitten in der Woche lag, lichteten sich die Reihen nach Showende sehr zügig. Nur wenige Besucher hielt es noch in der Factory und die die blieben genehmigten sich ein leckeres Feierabendsbier bei gemütlichem Klönschnack in einer der zahlreichen Sitzecken. Von der Band indes war nur noch sehr wenig zu sehen. Allein der versprengt mit einigen Damen diskutierende Simon und natürlich Merchandiser Rainer waren noch anwesend. Ansonsten hatten Autogramm- und Fotojäger heute schlechte Karten, sodass es mir nicht schwer fiel, der freundlichen Bitte eines Factory-Mitarbeiters folge zu leisten, nun "langsam zum Ende" zu kommen.

Die Uhr schlug Mitternacht, als ich die Factory in Richtung Parkplatz verließ und mich anschließend mit dem Ritti Mobil auf den Heimweg machte. Vom regnerischen Wetter der frühen Abendstunden war inzwischen nicht mehr viel zu sehen. Dafür verzauberten die ersten Schneeflocken des Jahres diesen Konzertabend mit ihrem kalten Glanz.

Bis zum nächsten Mal

Euer Ritti!

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