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2009 - Potsdam
Veröffentlicht am 30.12.2009 von Ritti | Aufrufe: 171
30.12.2009 – Potsdam Eisheilige Nacht

Wenn einer eine Reise tut dann wird das meistens ziemlich anstrengend. Wenn viele eine Reise tun bleibt es zwar immer noch anstrengend aber wenigstens nicht langweilig. Und wenn Zeus seine Untertanen zum Olymp ruft, wer kann da schon widerstehen? So begab es sich an diesem wahrhaft eisheiligen Tag in Deutschland, dass Subway to Sally Schlachtenbummler aus Berlin, Brandenburg und ganz Deutschland sich auf den mehr oder weniger weiten Weg nach Potsdam schwangen, um die Rockband ihres Vertrauens bei der Feuertaufe ihres ersten eigenen Festivals zu unterstützen.

Als Subway to Sally im Frühjahr an gleicher Stelle den Pokal des Bundesvision Songcontest Gewinners an „Stadtaffe“ Peter Fox weiterreichten, konnten die Sieben in der neu eröffneten Metropolis-Halle schonmal Probespielen, bevor sie heuer, im Dezember selbst die traditionell kuschelige Atmosphäre des Potsdamer Lindenparks gegen das mondäne Ungetüm auf dem Babelsberger Filmgelände eintauschten. Dass sie bei der Wahl des Festivalnamens mit der„Eisheiligen Nacht“ voll ins Schwarze treffen sollten hatten Bodenski und Co. möglicherweise im Stillen erhofft aber ganz sicher nicht einkalkuliert.

Große Ereignisse erfordern große Anstrengungen und so lag der Ball nicht nur bei den Fans, sich aus aller Herren Winde vor der schmucken Halle auf einen Glühwein zusammenzurotten, sondern zu allererst an der Band und ihrer unermüdlichen Crew die Halle bezugsfertig zu machen und das Programm mit musikalischen Schmankerln zu spicken. Neben Subway to Sally selbst und den kroatischen Newcomern OMEGA LITHIUM, welche als aktueller Toursupport generös die Openerposition spendiert bekamen, waren auch die Berliner Lokalmatadoren ZERAPHINE um Sven Friedrich und die lieben Kollegen von der Letzten Instanz an die Programmtafel geschlagen. Und so kumulierte sich das an sich attraktive Package mit dem Patriotismus des traditionellen Subway Jahresabschlusses in heimatlichen Gefilden zu einem Event, dass die Metropolishalle aufgrund der vorab festgelegten Saaltrennung an diesem Abend an den Rande der Kapazitätsgrenze treiben sollte. Aber dazu gleich mehr.

Von weiten und ungewöhnlichen Wegen konnte auch unser kleiner Fanclubtross erzählen. Befanden sich an Bord des Schwarzen VW Bullis doch Mitglieder von Niedersachsen bis zum tiefsten Bayern, die teils per Billigheimer über die Weißwurstachse in welfische Gefilde eingeflogen werden mussten um das Unternehmen Gruppenreise zu bewerkstelligen. Und das zu einer Zeit in der der durchschnittliche Flughafenkontrolleur schon beim Reißverschluss einer Jacke in kalten Schweiß ausbricht! Doch wer feiern will muss nunmal leiden. Also „Hose runter und nach vorn gebückt“, spotteten wir an Bord des Bullis während sich das „T“-Mobil zu finnischen Humppaklängen aus dem Bordradio unaufhaltsam in Richtung Potsdam schraubte.

Bereits mittags der räumdienstlich verwahrlosten Schneehölle niedersächsischer Kuhdörfer entronnen, konnte selbst ein kleiner Feierabendstau auf den letzten Metern unsere frühzeitige Passage der Potsdamer Ortseinfahrt nicht verhindern. Aber wie beim Malefiz nicht anders üblich lagen auch in diesem Fall die dicksten Klötzer erst kurz vor dem Ziel. So ließ sich eine motivierte Eisenbahnschranke minutenlang bitten, bis schließlich ein erbärmlicher Stummel von Schienenbus geradezu aufreizend lässig wie Omma Kneesewitz mit dem Rolator über die Kreuzung rollte.

Dann endlich: Schranken frei und mitten rein ins Vergnügen? Denkste! Auch der Quadrattom auf dem Armaturenbrett, heute in Person von Bruce Willis, entpuppte sich als lückenhaft ortskundig. Getreu dem Motto: ich finde jede Straße aber ob es die richtige ist – keine Ahnung! Ergo half es nichts, ein Eingeborener musste her. Schneidig wie die Preußen nun mal sind, stellte der erste Delinquent auch gleich einen atemberaubenden Rekord im High-Speed City Guiding auf, nur um mit den Worten zu Enden „ja, da war ick ooch noch nich!“. Letztlich wusste der babelsberger Studiopförtner Rat und wenig später rollte das „Typ5“-Mobil mit uns auf einen hübsch eingeschneiten Parkplatz in Sichtweite der Metropolis-Halle, deren große Lettern bereits aus der Entfernung gut erkennbar in den Potsdamer Vorabend leuchteten.

Vor dem Eingang hieß es nun mit gut 500 weiteren Frühankömmlingen abwarten und Glühwein trinken. Während links des Eingangsbereichs eine überdimensionale Löwenstatue und ein farbig illuminierter Vulkan unmissverständlich daran erinnerten dass man sich in einem Filmpark befand, umstreunte ein beflissener Flyerverteiler das harrende Volk mit bedrucktem Blattwerk. In des Eises Kälte wurde die Stunde bis zum Einlass trotz warmer Gedanken, Glühwein und der sporadisch aufgestellten Gaswärmer lang und länger. Während das Gehirn des Flyerboten schon nach 20 Minuten einfror und er, leicht desorientiert,  seine Runde von vorne begann, klirrten irgendwo im Gedränge die ersten Schnapsflaschen zu Boden. Unsere Fanclubfraktion hatte sich inzwischen um weitere Mitglieder aus dem Brandenburgischen und dem Ruhrpott erweitert. und auch die übrige Meute vor den Toren hatte sich mittlerweile zu einem stattlichen Pulk aufgebaut, der fröstelnd dem Einlass entgegen„fieberte“.

Kurz nach 18 Uhr nahte die Erlösung. Die Türen schwenkten auf, der Ansturm konnte beginnen. Zäh aber stetig schlängelte sich die Menge an den Sicherheitsfingern vorbei in das geräumige Foyer, den Saal oder direkten Weges auf eines der zahlreichen Luxus-Töpfchen, noch schnell den Glühwein wegzubringen, bevor es in der Halle richtig losging. Jenes beobachtend während ich erlaubterweise! gemeinsam mit Fanclub-Holger die Räumlichkeiten der Metropolishalle mit Festival Plakaten bepflasterte, kamen wir gerade noch dazu den letzten Wimpel an die Wand zu tackern bevor auch schon der Lautstärkepegel anschwoll und Omega Lithium die großzügig dimensionierte Bühne vereinnahmten.

Mit hastigen Griffen die Kamera aus der Tasche rupfend und ein „Auge“ drauf schraubend sah ich mich hektisch nach dem Eingang zum Bühnengraben um. Status: Fehlanzeige! Also einmal quer durch die Halle geschossen um es auf der anderen Seite zu versuchen. Wieder Fehlanzeige! Nur ein ratloser Ordner der mich ein weiteres Mal um den Block schickte. Klasse! Nebenbei hobelten die Kroaten gerade ihren ersten Song vom Leder wovon ich zwar leider nur Bruchteile mitbekam, mich insgeheim aber bereits darüber wunderte, was sich da einige Meter ostwärts musikalisch Bahn brach. Nachdem Fotokollege Rainer schließlich doch einen Weg in den Graben aufgetan hatte sollte der Abend nun endlich richtig losgehen.

Von „ruhig Blut“ konnte dennoch keine Rede sein. Wie auch, mit einem Geschoss wie Frontfee Mya Mortensen vor der Linse? Die platinblonde Schönheit mit Nena-Schlafzimmerblick hätte selbst einem Dieter Bohlen mühelos ein schelmisch gezwinkertes „Sing mir was, Schnuggi“ entlockt. Die zweite Offenbarung  war die erstaunliche Bühnen-Präsenz der noch jungen kroatischen Band. Nicht dass ich dem Quartett nichts zugetraut hätte, doch zum einen ist die Zahl der Gothiccombos aus dem ehemaligen Ostblock, die es  in germanische Gefilde verschlägt nahezu verschwindend gering und zum anderen hatten die hübsch aufgestyleten Promobildchen bei mir die Erwartungen eher in Richtung einer durchprogrammierten Industrialglamkapelle á la Dope Stars Inc oder Deathstars gelenkt. Ok, Victor von den Dope Stars saß bei der Produktion des Omega Lithium Album „Dreams in Formaline“ an den Reglern. Damit hatte es sich aber auch schon. Was die vier hier auf der Bühne abfeuerten hatte live eine angenehm eigene Geschmacksrichtung, welche mehr an eine weiblich gefrontete Ausgabe der erfolgreichen Frühjahrssupporter Mono Inc. erinnerte. Will heißen gefälliger, elektronisch angehauchter Goth-Rock mit eingängigen Melodien die auch auf nüchterne Ohren zu zünden vermögen.

Wie sonst war es zu erklären, dass die beachtliche Publikumsschar bereits nach dem zweiten Song voll bei der Sache war. Und das bei der wie immer höchst wählerischen Subway-Horde. Sehr beachtlich! Die Stimmung stieg und Omega Lithium fühlten sich in der für sie ungewohnt riesigen Halle offenkundig pudelwohl. Mähnewallend rockten sich die Mattenschwinger Malice Rime (Gitarre) und Zoltan Harpax (Bass) auf den Flanken in Stimmung während Rauscheengel Mya die Massen, mal Stiefelbleckend auf den Monitorboxen, mal auf Knien schmachtend das Publikum becircte und Drummer Torsten Nihil die Trommelfelle bearbeitete.

Anders als bei gewissen auf die junge Generation abgerichteten Unterhaltungsrottweilern aus Deutschen Landen, vermieden die Kroaten es weitgehend sich auf niedere Effekthascherei zu verlegen. Gut, Basser Harpax hatte mitunter einen Hang zum tollwütigen Säbelzahneichhörnchen aber auch darüber ließ sich, verglichen mit so manchem Totalausfall den uns der heimische Szene-Feuilleton so beharrlich als Zukunft des Industrial-Rock verkaufen will, wohlwollend hinwegsehen.

Dass Omega Lithium es durchaus ernst meinen zeigten sie auch kürzlich mit dem ambitionierten Video ihres Songs „Stigmata“. Als Warm-upper machten Omega Lithium ihre Sache sehr sehr ordentlich und weckten die Lust auf einen ausgelassenen Konzertabend.  Nachdem sich Potsdam das musikalische Appetithäppchen eine halbe Stunde lang gierig einverleibt hatte wirbelten zunächst wieder die Techniker um die Bühne für den Auftritt von Zeraphine vorzubereiten.

Über die Berliner muss man eigentlich keine großen Worte verlieren. Als Follow-up der Dreadful Shadows bereichern Sven Friedrich und seine Strategen nun bereits seit ihrem Debut „Kalte Sonne“ die Szene mit himmelgrauem Düsterrock irgendwo zwischen verträumter Melancholie und dem Charme einer englischen Tapete. Daran sollte sich auch drei Jahre nach dem letzten Studioalbum „Still“ nichts Entscheidendes ändern. Leider erwischte das Quintett heute nicht seinen besten Abend, sodass der heutige Gig der Mannen um Sven Friedrich in die schlimmste aller Kategorien fiel: Ganz nett!

Gezeichnet von den Strapazen der Neuwerk-Festivals, an denen Sven Friedrich mit seinem Elektroprojekt Solar Fake teilgenommen hatte, kämpfte sich der umtriebige Berliner durch das Set. Neben den bekannt gutklassigen Hits aus 9 Jahren Zeraphine gewährte der Fünfer dem lauschenden Volke einen kurzen Blick in die musikalische Glaskugel mit Material des für 2010 geplanten neuen Albums.

Letztlich blieb der Auftritt im Vergleich zu den noch folgenden jedoch erschreckend blass und reihte sich wahrlich nicht unter den Glanztaten der Band ein, die ihren Charme dann doch eher im Rahmen eines 600er oder 1000er Clubs zu versprühen vermag. Als Wegbereiter für die Stimmungs-Schwergewichte Letzte Instanz und Subway to Sally gerieten Zeraphine in Potsdam buchstäblich unter die Räder.

Dass sich die Letzte Instanz, die ebenso wie Subway heute ihren Jahresabschluss feierten, besser schlagen würden als ihre müden Vorgänger galt als sicher. Dennoch staunte Potsdam nicht schlecht über die Vehemenz mit der die Sieben den Schwung ihrer gestrigen Hannover-Show aufgriffen und vom Fleck Weg in die Vollen gingen. Zugegeben die Letzte Instanz war noch nie um ein amtliches Brett verlegen aber ihr heutiges Konzert sollte sich zu ihrem gewaltigsten seit dem Abgang ihres ehemaligen Frontkehlchens Robin auftürmen. Mochte der Ton damals auch noch ein anderer gewesen sein, die Energie im Saal war an diesem Abend mindestens ebenbürtig. Vom ersten Ton an hielten die Instanzler die Halle fest umklammert und gaben sie bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand.

Ihr Set erwies sich derweil als festivalstaugliche Mischung aus vergangen „Glanz“taten und dem aktuellen Album „Schuldig“, dessen Covermotiv – der gefallene Engel – lasziv von dem gigantischen Backdrop über die Band wachte. Man mag von „Schuldig“ halten was man will, ich für meinen Teil habe so meine Schwierigkeiten mit dem stromlinienförmigen Hitkonzentrat, doch  Live funktionieren die Songs einfach großartig. Nachdem die Instanz sich auf ihrer Frühjahrstour noch einige Songs des Albums aufgespart hatte, freute ich mich persönlich sehr als das Septett mit „Der Garten“einen der schönsten Songs des Albums aus der Zauberkiste holte. Nachdem Holly im Studio noch Duettpartnerin Aylin Aslim die türkischen Parts des Songs überließ, wagte sich der Wahl-Istanbuler heuer selbst an die betreffenden Zeilen, die durch ihren exotischen Klang einen ungewöhnlichen und sehr schönen Farbtupfer in das Konzert brachten und sich angenehm von den Pseudo intellektuellen Lateinkursen anderer Mittelalter- und Folkkapellen abhob.

Auch in Punkto Bühnenshow ließ die Instanz, dem Rahmen angemessen, jede Menge brennen aber bei Gott nichts anbrennen. Der gewohnt hohe Einsatz mit dem wild schwurbelnden Benni am Cellini, Muttis Stolz als springendem Teufelsgeiger und dem (endlich) zum Entertainer gewordenen Holly repräsentierte nur eine Seite der Medaille. Darüber hinaus griffen die Instanzler so tief in die Trickkiste wie schon lange nicht mehr. Angefangen bei der modernen Lichttechnik über breitwand Funkenregen bis hin zu  Feuerspucken gab es einiges an höherem Mummenschanz zu bestaunen. Fehlte eigentlich nur noch dass die Sieben das gute alte Ticket zum Mond (Mondfahrt) wieder ausgebuddelt und mit Christbaumbeleuchtung um sich geworfen hätten.

Das Publikum in der Metropolishalle ging derweil komplett über die Reling. In den ersten gut 10 Reihen gab es kein halten mehr und zwischen den Songs verwandelte sich das Menschenmeer in einen Ozean aus Händen. Es fehlte nicht viel und Subway hätten sich den Abend gemütlich zurücklehnen und die Instanz einfach machen lassen können, ohne dass sie ernsthaft jemand vermisst hätte. Ein Support auf dem besten Wege die Platzhirsche vom Sockel zu stoßen?! Nicht ganz!

Seinen unfreiwilligen Dämpfer, zumindest aus handwerklicher Sicht, erlebte der Auftritt als Holly seinen alten Kumpel „Friedel“ auf die Bühne zitierte. Während Sven Friedrichs „Kosename“ für allgemeine Erheiterung sorgte, gereichte das gut gemeinte Duett zu seiner unfreiwilligen Demontage. Schlecht vorbereitet nuschelte „der Friedel“ die wenigen ihm überlassenen Zeilen halbwissend in die Muschel und machte dabei eine reichlich überforderte Figur, die bemüht über  beide Ohren grinsend versuchte sich irgendwie ins Ziel zu retten. Immerhin hatte Herr Fish den Anstand sich der unfreiwilligen Komik zu enthalten.

Der Stimmung tat es keinen Abbruch. Und so ließ das Auditorium die Instanzler auch an diesem Abend nicht ohne Ihr Rapunzel vom Platz und wer in Potsdam einen Song der seligen „Inchtabokatables“ covert hat sowieso schon gewonnen. Naaaaa Naaaaa NaNaaaa, Naaaa naaaa nana nanaa.... und jetzt alle... Nach Stolzens Stagediving.-Ausflug und einer außerplanmäßigen Zugabe endete der bisherige Glanzpunkt des Abends in tosendem Applaus für den Headliner der Herzen. Das schreit geradezu nach einer Wiederholung!

Bevor aber nun zum krönenden Abschluss die Gastgeber Subway to Sally die Metropolishalle unter Kreuzfeuer nehmen konnten, bekamen die helfenden Hände auf der Bühne einiges zu tun. Nachdem die Lichttechnik der Instanz Leuchte für Leuchte entfernt wurde, machten sich die Heimwerkerkönige daran ein nicht ganz unproblematisches Element der aktuellen Subway-Show nachträglich zu installieren: die „Line Of Fire“. Eingefasst von schwarz-rot lackiertem Verhau, entstand Stück für Stück aus Einzelteilen eine dekorative Stufe mit feurigem Innenleben, dass schon bald zu zündelndem Leben erwachen sollte. Während dieses Element auf regulären Clubshows gerne mal von der Feuerwehr kaltgestellt wird, brauchte sich heute niemand Gedanken um die Durchführbarkeit des Effekts machen. Im Gegenteil: dem besonderen Anlass Rechnung tragend fuhren die Potsdamer sprichwörtlich „alles“ auf was „drin war“. Und das war, wie sich schon bald zeigen sollte nicht nur eine ganze Menge sondern auch ganz gut so.

Denn wer vor Beginn als anspruchsvoller Fan oder Besucher der Kreuzfeuer Tour im April einen Blick auf die Setliste geworfen hätte, wäre vermutlich mit einem üblen Dämpfer in das Konzert eingestiegen. Überraschungen Fehlanzeige! Stattdessen servierten Subway ihre kampferprobte Nummer Sicher Mischung aus unkaputtbaren Hits und Kreuzfeuersalven. Leider SCHON WIEDER ohne „Versteckt“! Nun wurde mir zwar aus zuverlässiger Quelle zugetragen dass man sich diese wundervolle Akustikballade für die dazugehörige Tour aufheben wolle, doch jenes Bier, den Akustikteil mit „Kleid aus Rosen“ und „Minne“ zu bestreiten, schmeckte schon im Frühjahr schal.

Aller Vorhersehbarkeit zum Trotz, standen die Zeichen für einen großen Konzertabend im großen Rahmen nach wie vor gut. Zumal die Band sich nicht, wie beispielsweise Dream Theater auf ihrer jüngst absolvierten Progressive Nation Tour, auf ein 90minütiges Festivalset beschränkten, sondern der Heimat die vollen 2 Stunden um die Ohren donnerten. Der Einstieg erfolgte über ein leicht modifiziertes Intro in dem Eisblümchen Ria säuselnd dem Volke hieß ihr in den Schlaf zu kommen. Dann ein Bumm, ein Knall und neben wuchtigen Flammenpilzen, die einem kurzzeitig Hören und Sehen vergehen ließen. schossen riesiege Explosionspilze der Decke entgegen um schließlich den Blick auf die Band freizugeben. Die zwar nicht wie Pilze aus dem Boden gesprossen kamen, nun aber vollzählig in Erscheinung trat.

Im Zuge der allgemeinen Erhebung kam der „Aufstieg“ gerade richtig um das Tempo zu forcieren. Mit imposanten Flammenfingern der Sonne entgegen, war das musikalische Eisblumenschießen vollends eröffnet. Dabei zog die Band ihr Ding routiniert durch. Entgegen der sonstigen Gewohnheit begrüßte Eric das Publikum jedoch heute nicht mit einem üblichen „Hallo Freunde“ sondern, leicht abgewandelt, mit „Hallo Heimat“, welches die Heimat mit lauten Gebrüll erwiderte. Der Löwe war erwacht! Gut! Jetzt noch ein „Schrei“ und schon lief der Partymat.

Vor allem aus der Entfernung betrachtet, offenbarte sich hernach der minutiös durchgeplante Ablauf des Konzerts mit seinen individuellen Inszenierungen für beinahe jeden Song. So sorgte das neue Live-Intro von „Die Trommel“ für zuckende Stroboblitze und gespenstische sich aus der Dunkelheit schälende Umrisse, die den Eindruck erweckten man befände sich auf einem mitternächtlichen Schlachtfeld während in der Ferne Explosionen vom Grauen des Gefechts kündeten.

Nicht minder spektakulär, die simple aber effektive Präsentation des Falschen Heilands. Zur Gänze in  kupferfarbenes Licht gehüllt, schien es als betrachtete man die Welt durch einen Farbfilter. Dazu kreiselte das inzwischen digital animierte Engelskrieger-Logo über die drei LED Wände und füllte die Halle mit einer herrlich surrealen Atmosphäre.

Als Rohrkrepierer erwies sich dagegen an diesem Abend der eisblümische Kunstschnee. Auf der Nord Nord Ost Tour dank entsprechender Hallen noch ein sehr gelungener Effekt, schafften es die Flockenspender nicht mal ansatzweise Winterstimmung in der riesigen Metropolishalle zu verbreiten. Stattdessen rieselten gerade mal ein paar armselige Flöckchen im Licht der grün-weißen Scheinwerfer zu Boden, um sich auf halbem Wege in Wohlgefallen aufzulösen. Das konnte Petrus draußen besser. Auch der Sangesknecht hatte es heute nicht so mit dem Eis. Dabei parierte Eric einen kurzen Textaussetzer, indem er seinen Fauxpas mit einem listig angefügten „was ist los, könnt ihr nicht mehr?“ kurzerhand dem Publikum in die Schuhe schob.

Während der Schnee schneller schmolz als er landen konnte, zog die Pyroshow vom Funkenflug bis zur Leuchtrakete alle verfügbaren Register. So ließ es sich der „Fish“ an Deck nicht nehmen umso eifriger über die Planken zu zappeln, um nur allzu oft den Grenzbereich zwischen kurz angeschmort und halb gegrillt zu erforschen, indem er sich nicht selten an einer der zahlreichen Flammenzungen wärmte oder, wie im Falle der „Line of Fire“, geradewegs durch sie hindurch spazierte. Mit Fackelstiel und Flammenstab („Sag dem Teufel“), umschlossen von turmhohen Feuersäulen, loderte bisweilen ein spektakulär anzuschauendes Inferno auf der Bühne das Potsdam in den siebten Kreis der Hölle zu ziehen schien!

Das Publikum feierte derweil sich selbst, die Band, den Anlass, die Songs und alles was sonst nicht bei drei in Deckung gehechtet war. Zeit also dass auch Subway das Feiern eröffneten und einen mit Kerzen bestückten Kuchen für die 14 Kerls und eine Frau ihrer Crew hervor zauberten, welcher anschließend, auf Händen getragen, den gefährlich weiten Weg vom Bühnenrand zum FOH-Mischpult zurücklegte, wo er dank der disziplinierten Fans nach ungefähr einem dreiviertel Song wohlbehalten ankam.

Nach diversen Zugaben, einschließlich eines nicht näher genannten märkischen Volksliedes, schloss sich mit „Vater“ der musikalische Reigen eines großen und vor allem langen Abends, der speziell in seiner zweiten Hälfte einiges an Stehvermögen von seinen Besuchern abverlangte. Kaschiert von einer bombastischen Bühnenshow boten Subway to Sally als Gastgeber für ihre Verhältnisse eine eher durchschnittliche Darbietung, die nur selten über den unweigerlichen Autopilot der Tourroutine hinaus stach und abgesehen von der Kuchenreise nur wenig Interaktion mit dem Publikum beinhaltete. Dazu geizten die Sieben auf der Bühne leider mit ihren früher oft sehr unterhaltsamen Anekdoten und Ansagen. Dem Gelegenheitsfan mag dies nicht mal aufgefallen sein, wer aber, wie ich, der Band bereits seit über 10 Jahren immer wieder hinterher reist, sieht so ein Konzert irgendwann mit anderen Augen.

Abseits dieser Fußnoten passte das große Ganze an diesem Abend aber noch immer wunderbar. Zu bombastisch thronte der Rahmen auf dem Bild, welches die 4 Bands in den vergangenen Stunden gezeichnet hatten. Etwas abgekämpft ob des langen Tages zog es dennoch einen Großteil der Fans rasch in Richtung Ausgang um sich mit der inzwischen wahrlich Eisheiligen Nacht zu vereinen. Unser Fanclubtross versammelte sich unterdessen zu einer speziellen Mission, die da lautete: „Fanclub DVD ´s zur Band zu tragen“. Nach kurzem hin und her, gewährte uns der völlig geschaffte Tourman Frank bereitwillig Einlass zum Allerheiligsten, wo wir nach kurzem Hallo mit Teilen der Band unsere heiße Ware an den Mann bzw. die Frau brachten und nach etwa 20 Minuten wieder entschwanden, nachdem Potsdam, bei einem Blick aus dem Fenster gerade vollends im Schnee zu versinken drohte.

Draußen angekommen machten wir uns auf dem Weg zum T-Mobil. Dabei überholte uns der freundlich grüßende Instanz-Holly auf seinen Weg zum nicht minder eingeschneiten Instanz Tourbus.  Just das Gefährt  erreicht stellten wir fest, dass wir als letzte noch auf diesem Parkplatz standen. Nur gut dass wir uns rechtzeitig von der kleinen Aftershowrunde im Backstage gelöst hatten, denn kaum war die Platzausfahrt erreicht, offenbarte ein frierender Platzwart: „Habta Glück jehabt! Ick wollt jetze grad zumachen!“ Uff!

Die Rückfahrt verkam, wie nicht anders zu befürchten zum Ritt auf rohen Eiern. Ungeräumt zog sich die Autobahn gen Heimat wie ein Kaugummi durch die Nacht. Von Zeit zu Zeit zerrissen von aufgeregten Rufen der Fahrer Holger und Dirk, die sich abwechselnd über den selbstmörderischen Fahrstil diverser Brummifahrer erschraken, welche in schöner Regelmäßigkeit mit ihren Kolossen  auf der Überspur schlingernd an uns vorbei schossen. Erst gegen viertel nach 7, mit Anbruch des  Silvestermorgens, erreichten wir das erste Ziel an dem sich schließlich die Wege trennten. Während ich bereits zu Hause meine Kamera aufs Bett feuerte und ganz schnell die nächste Toilette aufsuchte hatten die anderen noch weitere 2 Stunden unterwegs auszuharren um die ich sie nicht beneidete.

Zurück bleibt ein schönes Erlebnis, dass man durch die großen Entfernungen zwischen den einzelnen Mitglieder auch in Fanclubgefilden leider viel zu selten erlebt. Daher bleibt zu hoffen dass Subway den gelungenen Einstand ihrer Eisheiligen Nacht in der Metropolishalle dazu nutzen auch in Zukunft wieder einen Anlass zu bieten für den man gerne eine solche Anstrengung auf sich nimmt!

In diesem Sinne
Auf Kalt!
Euer Ritti

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